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Volker Gallé - auch die schwäne kennen den trost (gedicht des Tages am 16. Dezember)

auch die schwäne kennen den trost

das land frisst sich wie meer in meine seele.
mit den fingern zeichne ich gärten in die katastrophen.
die dämme über meinen augenbrauen könnten brechen.
immer mehr sandsäcke werden ihnen aufgeladen.
tödliches sehen gibt neue kraft.
immer wieder muss ich mich aus der umklammerung
in die bewegung befreien
und ins niemandsland rufen:
antworten sind mir gewiss.
die spuren im sand werden immer flüchtiger,
von jahrhundert zu jahrhundert.
das ist der trost,


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volker gallé - unken (Gedicht des Tages am 23.2.2011)

unken

ich bin nicht der,
der ich bin.
halte mich lieber versteckt
im vogelfreien.
bin anscheinend wieder
am anfang.
laufe vor mir selber her.
meinen tod überholend.
bin übrigens auch der,
der ich sein könnte.
manchmal gibt man mir
zeit für mich.
dann atme ich tief durch
bis auf den grund.
dort wohnen die unken.
ich liebe es, wenn sie
großäugig
ins schweigen hineinwarten.
dann plötzlich
schnalzen sie mit den zungen.
tausendfach erzählen sie


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Volker Gallé - bahngleise (Gedicht des Tages am 16. Juli)

bahngleise

die trauer beim anblick des sprießenden krauts
zwischen den bahngleisen.
heute morgen
bin ich verblüht am rande
einer kaffeetasse.
aprikosen
hatten wahllos am bettrand gelegen. der wind frischte auf.
jetzt
bin ich schon wieder zu weit in den tag verwickelt.
mit jedem atemzug
verlasse ich die welt einmal mehr.
angenehme trauer
des loslassens: welches auge bleibt?
 


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Volker Gallé - Bahngleise (Gedicht des Tages)

 

bahngleise

die trauer beim anblick des sprießenden krauts
zwischen den bahngleisen.
heute morgen
bin ich verblüht am rande
einer kaffeetasse.
aprikosen
hatten wahllos am bettrand gelegen. der wind frischte auf.
jetzt
bin ich schon wieder zu weit in den tag verwickelt.
mit jedem atemzug
verlasse ich die welt einmal mehr.
angenehme trauer
des loslassens: welches auge bleibt?


0:44 minutes (343.94 KB)

Volker Gallé - kichern (Geicht des Tages)

kichern

graugänse segeln durch den holunderwald.
zischen tränentraurig zwischen
blatt und ast.
regen zerstäubt mutlos am fensterglas und
nässt vorsichtig den asphalt.
darin sich das himmelsgrau spiegeln möchte.
die telefonleitungen hängen dünn von haus zu haus.
niemand greift zum hörer. um zu sprechen.
selbst das hören entfernt sich
schrittweise und verhallt.
an so einem tag hat varus seine schlacht verloren.


1:27 minutes (681.08 KB)

Volker Gallé - Wortdrachen (Gedicht des Tages)

wortdrachen

segeln von norden herein.
den kiel nach oben.
zungen auf die eichenbretter genagelt.
und schlagen plötzlich los,
sich versichernd letzten lebens
an diesem meergrauen morgen.
spucken beleidigungen hinaus in die fratzen der u-bahn-schächte
und behaupten dabei,
schon länger verletzt zu sein
vom anderen.
jedermanns tod nehmen sie in kauf,
aus nichtigem anlass.
lassen die schätze abseits der heerrouten liegen:


1:23 minutes (651.08 KB)

Volker Gallé - unken (Gedicht des Tages)

unken

ich bin nicht der,
der ich bin.
halte mich lieber versteckt
im vogelfreien.
bin anscheinend wieder
am anfang.
laufe vor mir selber her.
meinen tod überholend.
bin übrigens auch der,
der ich sein könnte.
manchmal gibt man mir
zeit für mich.
dann atme ich tief durch
bis auf den grund.
dort wohnen die unken.
ich liebe es, wenn sie
großäugig
ins schweigen hineinwarten.


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