Audio by artist ulrike_kleinert

Ulrike Kleinert - Frühlingszwiebeln

Autor: 

1:15 minutes (591.68 KB)

Ulrike Kleinert - Feuer an den Schuhen

Autor: 

1:09 minutes (540.04 KB)

Ulrike Kleinert - Heutemorgen

Autor: 

0:36 minutes (281.47 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Kaese

Autor: 

1:28 minutes (692.7 KB)

Ulrike Kleinert - Für Kafka

Autor: 

1:30 minutes (1.03 MB)

Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg

Autor: 

1:58 minutes (922.7 KB)

Ulrike Kleinert - Frühlingszwiebeln (Gedicht des Tages am 1. September)

Autor: 

Frühlingszwiebeln

Auf der Brücke überm Tiefer –
Flohmarkt
Taschen, Tücher, Bücher,
eine Frau mit altem Gesicht,
Haar unterm Tuch
gewickelt in ein buntes Kleid,
einen roten Rock,
Frühlingszwiebeln
zwischen den hockenden Schenkeln,
Frühlingszwiebeln, duftend,
Erde an den zarten Wurzeln.
Sie schützt sie
mit ihren Armen,
flüstert in die klackenden Schritte
der Vorbeieilenden in der ihr
eigenen Sprache ihren Namen,
wiegt sie zärtlich


1:15 minutes (593.68 KB)

Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg (Gedicht des Tages am 13. September)

Autor: 

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.

Und Kinder sterben,
wenn ihre Mütter getötet werden,
ihre Väter, Brüder, Schwestern
vor ihren Augen sterben,


1:58 minutes (924.7 KB)

Ulrike Kleinert - Feuer an den Schuhen (Gedicht des Tages am 14. Oktober)

Autor: 

Feuer an den Schuhen

Ihre Schuhe hochhackig,
die Füße wie im Tanz,
bis zu den Fesseln der lange Rock,
das Haar verhüllt
die Laute ihrer Sprache klopfen die Luft,
schmal schwebt ihr Lächeln
durch die Gänge.
Edibe trägt Feuer
an den Schuhen,
drei Kinder an der Hand,
ein paar Kleider, Töpfe, Tüten,
mit denen sie
von Kontinent zu Kontinent raschelt –
aus einer zerschossenen Wohnung
mit zurückgelassenen Fotos
einer gestempelten Existenz.

hoerbild: 

1:09 minutes (542.04 KB)

Ulrike Kleinert: Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 30. Oktober)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

Mit den Fingerspitzen
berührt sie das Geld,
nimmt es, schaut, wie

hoerbild: 

1:28 minutes (694.7 KB)

Ulrike Kleinert - Der Krieg in den Kindern (gedicht des Tages am 9. November)

Autor: 

Der Krieg in den Kindern

Eines Tages erreichte der Krieg Deutschland.
Er kam nicht mit Gewehren,
Granaten und Soldaten.
Er kam schlafend
auf dem Arm einer Mutter,
als Säugling.
Er schrie laut,
war hungrig und fror.

Neue Papiere bekam der Vater,
nur einen Staat nicht,
der sie alle nimmt
als seine Bürger.
Was soll ein Krieg
mit Staat und Papier?
Der Krieg will nur
den Krieg.

Das Kind wuchs.
Der Krieg wuchs auch

hoerbild: 

3:38 minutes (1.67 MB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 15. November)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

Mit den Fingerspitzen
berührt sie das Geld,
nimmt es, schaut, wie

hoerbild: 

1:28 minutes (694.7 KB)

Ulrike Kleinert - Untersuchung zwecks Ausstellung eines ärztlichen Attestes (Gedicht des Tages am 15.12.)

Autor: 

Untersuchung zwecks Ausstellung eines
ärztlichen Attestes

Auf dem Bogen
ein kleines Kästchen,
das auf ein Kreuz wartet:
Krankheit und Behinderung?
Dünn geschrieben, ein Zusatz,
auch infolge von Krieg.

Abgetastet werden,
Mann, Frau, Kind,
als könne ihr Fleisch
alte Schmerzen verraten.
Abgehorcht ihre Brustkörper,
als klinge in ihnen
der Hall von Schüssen.

Wie sollen
in das kleine Kästchen
die Albträume passen,

hoerbild: 

1:08 minutes (536.33 KB)

Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg (Gedicht des Tages am 30. Dezember)

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.

Und Kinder sterben,
wenn ihre Mütter getötet werden,

hoerbild: 

1:58 minutes (924.7 KB)

Ulrike Kleinert - Untersuchung zwecks Ausstellung eines ärztlichen Attestes (Gedicht des Tages am 28. Februar)

Untersuchung zwecks Ausstellung eines
ärztlichen Attestes

Auf dem Bogen
ein kleines Kästchen,
das auf ein Kreuz wartet:
Krankheit und Behinderung?
Dünn geschrieben, ein Zusatz,
auch infolge von Krieg.

Abgetastet werden,
Mann, Frau, Kind,
als könne ihr Fleisch
alte Schmerzen verraten.
Abgehorcht ihre Brustkörper,
als klinge in ihnen
der Hall von Schüssen.

hoerbild: 

1:08 minutes (534.33 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 19. März)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

hoerbild: 

1:28 minutes (692.7 KB)

Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg (Gedicht des Tages am 30. April)

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.

hoerbild: 

1:58 minutes (922.7 KB)

Ulrike Kleinert - Untersuchung zwecks Ausstellung eines ärztlichen Attestes (Gedicht des Tages am 2. Juni)

Untersuchung zwecks Ausstellung eines
ärztlichen Attestes

Auf dem Bogen
ein kleines Kästchen,
das auf ein Kreuz wartet:
Krankheit und Behinderung?
Dünn geschrieben, ein Zusatz,
auch infolge von Krieg.

Abgetastet werden,
Mann, Frau, Kind,
als könne ihr Fleisch
alte Schmerzen verraten.
Abgehorcht ihre Brustkörper,
als klinge in ihnen
der Hall von Schüssen.


1:08 minutes (534.33 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 17. Juli)

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 26. Juli)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.


1:28 minutes (692.7 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 20. Oktober)

Autor: 

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

hoerbild: 

1:28 minutes (692.7 KB)

Ukrike Kleinert - Feuer an den Schuhen (Gedicht des Tages am 2. November)

Feuer an den Schuhen

Ihre Schuhe hochhackig,
die Füße wie im Tanz,
bis zu den Fesseln der lange Rock,
das Haar verhüllt
die Laute ihrer Sprache klopfen die Luft,
schmal schwebt ihr Lächeln
durch die Gänge.
Edibe trägt Feuer
an den Schuhen,
drei Kinder an der Hand,
ein paar Kleider, Töpfe, Tüten,
mit denen sie
von Kontinent zu Kontinent raschelt –
aus einer zerschossenen Wohnung
mit zurückgelassenen Fotos
einer gestempelten Existenz.

hoerbild: 

1:09 minutes (540.04 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 8. Dezember)

Autor: 

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.


1:28 minutes (692.7 KB)

Ulkrike Kleinert - Der Krieg in den Kindern (Gedicht des Tages am 5. Februar)

Autor: 

Der Krieg in den Kindern

Eines Tages erreichte der Krieg Deutschland.
Er kam nicht mit Gewehren,
Granaten und Soldaten.
Er kam schlafend
auf dem Arm einer Mutter,
als Säugling.
Er schrie laut,
war hungrig und fror.

Neue Papiere bekam der Vater,
nur einen Staat nicht,
der sie alle nimmt
als seine Bürger.
Was soll ein Krieg
mit Staat und Papier?
Der Krieg will nur
den Krieg.

hoerbild: 

3:38 minutes (1.67 MB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 16. Februar)

Autor: 

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.


1:28 minutes (692.7 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 22. Februar)

Autor: 

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.

hoerbild: 

0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Der gelbe Rock (gedicht des Tages am 1. März)

Autor: 

Ulrike Kleinert 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?


0:50 minutes (393.1 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 13. März)

Autor: 

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Die Nächste (gedicht des Tages am 17. März)

Autor: 

Die Nächste

Als sie Asylunterkünfte überfielen,
habe ich geschwiegen.
Ich habe kein Asyl beantragt.

Als sie Aussiedler verprügelten,
habe ich geschwiegen.
Ich habe als Deutsche
immer in Deutschland gelebt.

Als sie das Haus
ausländischer Nachbarn anzündeten,
habe ich geschwiegen.
Meine Vorfahren
sind alle deutsch.

Als meine Freundin,
die mit dem behinderten Kind,
Morddrohungen erhielt,
schwieg ich weiter.


1:07 minutes (526.78 KB)

Uklrike Kleinert - Zwanzig jahre (Gedicht des Tages am 20. März

Autor: 

Zwanzig Jahre

Zwanzig Jahre fielen
Tabakkrümel auf den Tisch.
Jetzt, da ich gegangen bin,
sehe ich
ihre Muster
auf der leeren Platte
und brauche sie nicht
wegzuwischen,
um mich ihrer
zu erinnern.


0:31 minutes (245.35 KB)

Kleinert, Ulrike - Neben meine Tochter (Gedicht des Tages am 14. April)

Autor: 

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 8. Juni)

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 19. Juli)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

Mit den Fingerspitzen
berührt sie das Geld,
nimmt es, schaut, wie
die Kasse es verschluckt.


1:28 minutes (692.7 KB)

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages vom 29. Juli) gelesen von Verena Arlinghaus

Autor: 

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 

Sie spenden nur


0:37 minutes (294.94 KB)

Ulrike Kleinert - Die Nächste (Gedicht des Tages am 4. August 2010)

Die Nächste

Als sie Asylunterkünfte überfielen,
habe ich geschwiegen.
Ich habe kein Asyl beantragt.

Als sie Aussiedler verprügelten,
habe ich geschwiegen.
Ich habe als Deutsche
immer in Deutschland gelebt.

Als sie das Haus
ausländischer Nachbarn anzündeten,
habe ich geschwiegen.
Meine Vorfahren
sind alle deutsch.

Als meine Freundin,
die mit dem behinderten Kind,
Morddrohungen erhielt,
schwieg ich weiter.
Mein Kind ist nicht behindert.


1:07 minutes (526.78 KB)

Ulrike Kleinert - Untersuchung zwecks Ausstellung eines ärztlichen Attestes (Gedicht des Tages am 7. August)

Untersuchung zwecks Ausstellung eines
ärztlichen Attestes

Auf dem Bogen
ein kleines Kästchen,
das auf ein Kreuz wartet:
Krankheit und Behinderung?
Dünn geschrieben, ein Zusatz,
auch infolge von Krieg.

Abgetastet werden,
Mann, Frau, Kind,
als könne ihr Fleisch
alte Schmerzen verraten.
Abgehorcht ihre Brustkörper,
als klinge in ihnen
der Hall von Schüssen.


1:08 minutes (534.33 KB)

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages vom 22. August) gelesen von Verena Arlinghaus

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 


0:37 minutes (294.94 KB)

Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg (Gedicht des Tages am Antikriegstag 2010)

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.


1:58 minutes (922.7 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 5. September)

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Nur einmal (Gedicht des Tages am 18. September)

Nur einmal

In der Neige des Sommers
dieser Duft
der feuchten Erde
dieses Licht
direkt auf den Blättern
diese langen Schatten
auf den Wegen
diese Forsythie
die blüht als
hätte sie sich
in der Jahreszeit geirrt
diese grüne Erdbeere
die unreif vergeht

Nur einmal
werde ich hier sein
so oft ich
wiederkomme


1:03 minutes (494.33 KB)

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages vom 8. Oktober) gelesen von Verena Arlinghaus

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 


0:37 minutes (294.94 KB)

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages vom 22. Oktober) gelesen von Verena Arlinghaus

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 


0:37 minutes (294.94 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 8. November)

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg (Gedicht des Tages am 13. November 2010)

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.


1:58 minutes (922.7 KB)

Ulrike Kleinert . Der gelbe Rock (Gedicht des Tages am 27. Dezember)

Ulrike Kleinert 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?


0:50 minutes (393.1 KB)

Ulrike Kleinert: Untersuchung zwecks Ausstellung eines ärztlichen Attestes (Gedicht des Tages am 9. Januar)

Untersuchung zwecks Ausstellung eines
ärztlichen Attestes

Auf dem Bogen
ein kleines Kästchen,
das auf ein Kreuz wartet:
Krankheit und Behinderung?
Dünn geschrieben, ein Zusatz,
auch infolge von Krieg.

Abgetastet werden,
Mann, Frau, Kind,
als könne ihr Fleisch
alte Schmerzen verraten.
Abgehorcht ihre Brustkörper,
als klinge in ihnen
der Hall von Schüssen.


1:08 minutes (534.33 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 23.01.2011)

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


0:28 minutes (223.1 KB)

Ulrike Kleinert - Untersuchung zwecks Ausstellung eines ärztlichen Attestes (Gedicht des Tages am 4. März)

Untersuchung zwecks Ausstellung eines
ärztlichen Attestes

Auf dem Bogen
ein kleines Kästchen,
das auf ein Kreuz wartet:
Krankheit und Behinderung?
Dünn geschrieben, ein Zusatz,
auch infolge von Krieg.

Abgetastet werden,
Mann, Frau, Kind,
als könne ihr Fleisch
alte Schmerzen verraten.
Abgehorcht ihre Brustkörper,
als klinge in ihnen
der Hall von Schüssen.


1:08 minutes (534.33 KB)

Ulrike Kleinert - Zwanzig Jahre (Gedicht des Tages am 13.02.2011)

Zwanzig Jahre

Zwanzig Jahre fielen
Tabakkrümel auf den Tisch.
Jetzt, da ich gegangen bin,
sehe ich
ihre Muster
auf der leeren Platte
und brauche sie nicht
wegzuwischen,
um mich ihrer
zu erinnern.


0:31 minutes (245.35 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 31. März)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

Mit den Fingerspitzen
berührt sie das Geld,
nimmt es, schaut, wie
die Kasse es verschluckt.


1:28 minutes (692.7 KB)

Ulrike kleinert - Der gelbe Rock (Gedicht des Tages am 2. April 2011)

Ulrike Kleinert 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?


0:50 minutes (393.1 KB)

Ulrike Kleinert - Der gelbe Rock (Gedicht des Tages am 18. Mai)

Ulrike Kleinert 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?


0:50 minutes (393.1 KB)

Ulrike Kleinert - Der gelbe Rock (Gedicht des Tages am 23. Juni 2011)

Autor: 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie


0:50 minutes (393.1 KB)

Ulrike Kleinert - Der Krieg in den Kindern (Gedicht des Tages am 24. Juli 2011)

Der Krieg in den Kindern

Eines Tages erreichte der Krieg Deutschland.
Er kam nicht mit Gewehren,
Granaten und Soldaten.
Er kam schlafend
auf dem Arm einer Mutter,
als Säugling.
Er schrie laut,
war hungrig und fror.

Neue Papiere bekam der Vater,
nur einen Staat nicht,
der sie alle nimmt
als seine Bürger.
Was soll ein Krieg
mit Staat und Papier?
Der Krieg will nur
den Krieg.


3:38 minutes (1.66 MB)

Ulrike Kleinert - Frühlingszwiebeln (Gedicht des Tages am 5. August)

Frühlingszwiebeln


1:15 minutes (591.47 KB)

Ulrike Kleinert - Der gelbe Rock (Gedicht des Tages am 17. August 2011)

Autor: 

 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?


0:50 minutes (393.1 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages)

Autor: 

 

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


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Ulrike Kleinert: Gegen den Krieg (Gedicht des Tages)

 

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.


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[Ulrike Kleinert - Herrin der Käse (Gedicht des Tages)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.


1:28 minutes (692.7 KB)

Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages)

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.


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Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)

 

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht


0:37 minutes (290.89 KB)

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,


0:37 minutes (290.89 KB)

Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages)

 

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.


1:28 minutes (688.65 KB)

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)

 

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht


0:37 minutes (290.89 KB)

Ulrike Kleinert - Für Kafka (Gedicht des Tages)

Für Kafka

Gestern wurde Kafka verramscht.
Halbverdeckt vom Heilfasten
und der Kraft der Steine,
entdeckte ich seinen Namen.
Viele eilige Finger
hatten ihre Abdrücke
auf dem Umschlag hinterlassen,
flüchtiges Blättern,
die Seiten geknickt
und die Wörter
achtlos wieder weggeworfen.
Ich erwischte eine Ecke von ihm,
zog, und ein Buchstapel
voller küssender Münder
und hungriger Umarmungen
fiel in sich zusammen,


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Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,


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