Was sind das nur für kalte, dunkle, triste Tage!
Ein jeder ist gehetzt und hat für nichts mehr Zeit
und stresst sich im Beruf, kennt keine Heiterkeit.
Auf dass man Freunde selbst nicht anzurufen wage!
Wir kennen Arbeit nur, Privates wird zur Plage.
Wir fühlen nichts als Missgunst, Eifersucht und Neid
und scheren kaum uns noch um and´rer Leute Leid.
Der Angst vorm eig´nen Absturz gilt des Bürgers Klage.
Sah im Leben stets sich nur als Loser,
witz- und einfallslos, ´ne graue Maus.
Nie war sie Gestalter, immer User,
wirkte langweilig, sah kränklich aus.
Schule, Uni: alles nur durchlitten.
Ehe, Kinder: eine Höllenqual.
Glückwärts ging´s auch nicht in kleinsten Schritten.
Setzte sie auf Kopf, so kam die Zahl.
Er hatte im Büro sich wacker heut´ geschlagen,
danach geglänzt beim Vortrag auf der Konferenz,
geantwortet auf der Kollegen viele Fragen,
den Chef sogar beeindruckt – trotz des Drucks im Magen -
mit seinen Thesen über Strategie und Trends.
Am Montag hinterließ der böse Streit
mit der Kollegin ihr im Kopf ein Brummen.
Am Dienstag Stress im Stau: Die Höllenzeit
verstärkte das Geräusch zum lauten Summen.
Büro, dann Elternabend, 18 Uhr,
wo Lehrerklagen galten ihren Söhnen.
Für sie die Konferenz jedoch hieß nur
erhöhte Lärmfrequenz im Hirn: ein Dröhnen.
Na ja, es muss nun mal auch solche Tage geben.
Im Dunkeln steht man, friert und wartet auf die Bahn.
Wohin wohl all die Leute hetzen, hasten, streben?
Und wo ist eigentlich der Sinn in diesem Leben,
wenn nach ´nem Tag wie diesem pocht der Weisheitszahn?
Schön war´s damals, fünfundsiebzig, sechsundsiebzig:
Freitagabend, alles traf sich in der „Quelle“.
Wie so oft mit Macht das Bild von damals schiebt sich
ins Gehirn, macht richtig traurig. Doch das gibt sich.
Zeit vergeht nun mal und steht nicht auf der Stelle.
Feierabendbier, wir tanzten zu Frank Zander.
Gitti – hieß sie so? – Ich war in sie verschossen.
Einmal schwoften wir zu Peter Alexander,
Es hatte Ralf das virtuelle Leben
allmählich von dem echten abgeklemmt.
Den ganzen Tag blieb er am Rechner kleben,
sah fahl und elend aus und aufgeschwemmt.
Er lebte ganz für sich, soff Bier, fraß maßlos.
Er wusch sich nicht mehr, fühlt´ sich krank und lahm.
Männerabend: Ohne Bräute
zieh´n sie um die Häuser heute.
Tom und Nico an der Bar
als das Ausgehplanungspaar
woll´n die Clubs der Stadt besuchen,
ohne Frauen Glück verbuchen.
„Hilde, machste mal zwei Biere?“
Aus den zweien werden viere
plus zwei Schnäpse. Denn der Plan
nimmt Gestalt an momentan.
Zwischenstand: Aus vollen Röhren
kann man Nico rülpsen hören.
Und einmal mehr stand Dennis vor der hohen Mauer.
Sie wirkte mächtig, auch verletzend, böse, trist,
schien einzusperren ihn in ihre Welt auf Dauer,
schien zu verhöhnen seine Ängste, seine Trauer.
Und dabei war sie kalt und schmutzig, vollgepisst.
Sascha rast und fühlt sich frei.
Vollgas gibt der Fuß aus Blei
und ihm Allmacht, jetzt und hier:
„Stoppschild? Mir doch einerlei.
Platz, du Spast! Sonst biste Brei.“
So ein Motor wirkt wie Bier.
Fahrradsonntag mit der Frau,
Sascha blökt als Pistensau
Leute an in seiner Spur:
„Bürgersteig? Ihr seid ein Stau!
Seid wohl scharf auf Leichenschau?
Gibt´s denn hier Idioten nur?“