Jürß, Jana: DDR

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Jana Jürß 

DDR

durch Menschen gelebt

Ein Lese- und Arbeitsbuch

über ein fast vergessenes Stück

deutscher Geschichte

Geest-Verlag 2007

978-3-86685-058-1

12,50 Euro

 

 

aus dem Vorwort: von Jana Jürß

 

Nicht alles, was gestern geschah und heute geschieht, ist wirklich erwähnenswert. Doch ein Leben ohne ein Gestern, das Heute ignorierend, wird niemals ein Morgen finden.

 

Ich sah bei einer Reise durch das schöne Mecklenburg wunderbar hergerichtete Häuser, doch zu viele leer stehende Wohnungen, verlassene Geschäfte, ganze Straßen, die verloren schienen.

Ich sah Menschen, die mir voller Lust am Leben begegneten, doch zu viele, die nicht mehr wussten, wo sie herkamen, und sich scheinbar ohne einen möglichen Weg nach vorn befanden.

Vergessen, verlassen, verloren.

Die eigene Vergangenheit, die vergangene Lebenszeit nur noch ihnen bekannt. Nicht interessant für die anderen Deutschen.

Wiedervereinigung. Eines fraß das andere. Gut durchgekaut, verschluckt, jetzt liegt es manchmal schwer im Magen.

Aus Freude wurde Frust, aus Hoffnung wurde Unverständnis, aus Liebe manchmal Hass.

Die Geschichte der Menschen der DDR ist eine der zwei deutschen Geschichten nach 1945. Nicht weniger wichtig, nicht weniger wert.

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 In verschiedensten Sachrubriken ist in diesem Lese- und Arbeitsbuch DDR-Geschichte so aufgearbeitet, dass einzelne Sachthemen nachgelesen werden können, Schüler ab Klasse 8 mit den Sachthemen arbeiten können (z. B. Schulsystem, Musik, Literatur, Ferienlager, FDJ, Pioniere, Einkaufen etc.).

In einem zweiten Teil des Buches gibt es verschiedene Prosabeiträge der Autorin, in der  sich der Leser mit der Thematik in literarischer Weise auseinandersetzen kann.

Ein Lese- und Arbeitsbuch, das sicherlich seinen Weg machen wird. 

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Ein umfassendes Lese- und Arbeitsbuch, dass insbesondere auch für Schulen bestens geeignet ist, legt nun Jana Jürß vor. In den einzelnen Kapiteln gibt es neben Sachinformationen auch immer literarische Beiträge, die das Thema nacherlebbar machen.

zu Jana Jürß und ihrem Schreiben 

     Jana Jürß arbeitet als Schriftstellerin und Publizistin; sie ist eine, die sich einmischt, jetzt und heute, dass zeigen ihre bisherigen Erzählungen und Kolumnen. Sie analysiert präzise und mit sprachlicher Leichtigkeit, sie schreibt in Spannungsbögen, die sich überraschend auflösen: „Da stieß mich jemand an, zeigte grinsend auf eine Gruppe von Männern, die ein paar Meter weiter auf Klappstühlen saßen. Und da saß er, mein Lenin. Ich schüttelte ihm ergriffen die Hand. In gutem Englisch erklärte er mir, dass er für die nächste Revolution sammle, wie seine Kollegen, die sich bei genauerer Betrachtung als Stalin und Karl Marx herausstellten. Ich ließ mich stolz mit allen fotografieren. Für Lenins Revolution waren mir ein paar Hundert Rubel nicht zuviel und wir feierten die Revolution und verlachten dabei die Menschen in der Schlange, bis ich keinen Rubel mehr in der Tasche hatte.“ So endet die kleine Erzählung „Neulich auf dem Roten Platz“ und der Besuch des wächsernen Lenins, den das Ich nie zu Gesicht bekam, aber dafür Wodka trank: „Ich war nur noch ein paar Meter vom Eingang entfernt, Lenin war mir so nahe, wie noch nie in meinem Leben. Plötzlich fühlte ich mich sowjetisch, vermisste die Sowjetunion gar. Der Wodka war zu gut.“

     Jana Jürß wird 1970 in Mecklenburg geboren, ein Lehrerkind, eines von sieben Geschwistern, in Neustrelitz, einen Ort, den sie mag, nicht vergisst und doch ist sie froh, um die Flucht über die ungarisch-österreichische Grenze 1989. Weg aus der DDR. Sie landet in Nienburg an der Weser, lebt  in München, Stuttgart und fühlt sich nun wie Zuhause in Jettingen, im Gäu,  mit ihrem Mann und zwei Kindern. Sie arbeitet viele Jahre in der IT-Branche.

     Seit 2005 lebt sie als freiberufliche Schriftstellerin und Publizistin.

     Das Lesen lernt Jana Jürß in ihrer Kindheit und Jugend an den Büchern von Holtz-Baumert, James Krüss, Hans Fallada und Heinrich Mann, später kommen William Somerset Maugham,  Zola, Bertolt Brecht, Fjodor M. Dostojewski und Michail Alexandrowitsch Scholochow und viele andere dazu. Auch immer mehr Geschichten, dann Biographien anderer, früheres Leben und Denken  lesend erlebt, - so vergehen die DDR-Jahre, inmitten der großen Familie. Jetzt sagt sie: „Ich suche, deshalb schreibe ich. Ich schreibe und suche. Auch Freiheit.“

J. Monika Walther