Vanessa Meier: Soll das alles gewesen sein? (Jugendliche melden sich Wort am 24. Juli)

Hördatei: 

Soll das alles gewesen sein?

 

Dreizehn Uhr. Noch schlaftrunken öffnet sie die Augen, beginnt zu blinzeln, ist verärgert über die Sonnenstrahlen, die durchs Fenster scheinen und sie blenden. Erst ganz schwach, dann immer stärker spürt sie die Beklommenheit, das monotone Klopfen in ihren Schläfen. Wie in Zeitlupe versucht sie sich aufzuraffen, schafft es mit Mühe und Not, sich im Bett aufzusetzen.

Ihr Blick fällt zur Seite, ihr stockt der Atem, denn erst jetzt sieht sie ihn. Ihn, der ruhig in ihrem Bett liegt und schläft. Langsam lichtet sich ihr Schleier, und sie beginnt sich zu erinnern, daran, wie und wo sie ihn gestern kennen lernte. „Verdammt!“, flucht sie und versucht die aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken.

 Sie steht auf und bahnt sich einen Weg durch die unzähligen Kleidungsstücke und Bierflaschen einen Weg in die Küche. Dort angekommen, gießt sie sich ein Glas Wasser ein, wirft eine Tablette hinein und lässt sich auf einen der Stühle fallen. Langsam nimmt sie das Glas in beide Hände, setzt es an, trinkt einen Schluck und verzieht angewidert das Gesicht. Der bittere Beigeschmack der Tablette lässt sie würgen. Er erinnert sie an den schalen Geschmack ihres eigenen Lebens. Es sollte doch alles anders werden, ganz anders. Sie beginnt zu weinen. Immer wieder stellt sie sich die Frage: Soll das alles gewesen sein?“

 

Vanessa Meier (19 Jahre)

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