Artikel über das Buch von Pater Roling ruft breites Interesse hervor
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Pater Theodor Roling sollte ursprünglich den elterlichen Hof in Drievorden übernehmen. Foto: privat
Als Theodor Roling aus Drievorden in jungen Jahren den abenteuerlichen Berichten von Wanderpredigern über die Missionsarbeit in fernen Ländern lauscht, entwickelt er einen Wunsch: So etwas möchte er auch einmal machen. Als ältestem Nachkommen eines alten Bauerngeschlechts ist dem 1906 geborenen Obergrafschafter eigentlich die Übernahme des elterlichen Hofes vorbestimmt. Doch sein Drang, in die Welt hinauszuziehen, siegt über familiäre Traditionen. Im Alter von 16 Jahren tritt er den Steyler Missionaren bei, um einen geistlichen Weg einzuschlagen. Einen Weg, der ihn bis nach China bringen wird, mitten hinein in die gewaltvollen Umwälzungen hin zu einem kommunistischen Staat.
Nichte will Vermächtnis des Paters bewahren
„Ein ungewöhnlicher Lebensweg“, weiß Agnes Krümpelbeck aus Emstek. Sie ist die Nichte des Drievordeners, der auszog, um „Menschen zu helfen und sie zu beglücken mit Christus, dem Heil der Welt“, wie er kurz vor der Abreise in einem Brief an seine Familie schreibt. In der 85-Jährigen schlummert schon lange der Wunsch, die Aufzeichnungen ihres Onkels zu bündeln und sein schriftliches Vermächtnis öffentlich zugänglich zu machen. „Ich habe neun Geschwister. Jetzt sind wir nur noch zu viert“, sagt sie. Als eine Schwester, mit der sie das Projekt zusammen angehen wollte, stirbt, wird ihr bewusst, dass sie handeln muss. „Sonst weiß bald niemand mehr etwas über unseren Onkel, und dann geht alles verloren.“
Agnes und Franz Krümpelbeck haben die Dokumente des Paters zusammengetragen. Foto: Anke Mücke
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Franz geht Agnes Krümpelbeck in der Verwandtschaft auf die Suche nach Briefen und Fotos – und wird fündig. Verstreut auf Dachböden, in Schubladen und Schränken finden sich zahlreiche Schriftstücke des geistlichen Vorfahren. Was sie zusammentragen, bringen die beiden zu Alfred Büngen. Der Verleger lebt in der Nähe der Krümpelbecks und weiß um den Schatz, den er in Händen hält. „Zuerst dachte ich, es wäre ein rein persönlicher Hintergrund. Aber dann habe ich gemerkt, wie viel mehr in den Briefen steckt“, sagt Alfred Büngen. Für ihn sind die Fundstücke historische Dokumente, die er zu einem Buch zusammenfügt.
Briefe als lebhafter Erlebnisbericht
Pater Theodor Roling berichtet in seinen Briefen den Daheimgebliebenen in lebhaften Worten von der wochenlangen Überfahrt auf dem Schiff „Ramses“, das ihn 1935 von Rotterdam nach Shanghai bringt. Von Mitreisenden, der Besatzung und dem Leben an Bord. Von Erlebnissen bei Landgängen in Hafenstädten, wenn die Vorräte aufgefüllt und Passagiere ausgewechselt werden. Und von Begebenheiten auf der Route, die durch die Straße von Gibraltar und den Suezkanal bis nach Ostasien führt.
Ein Land im Umbruch
Er trifft auf ein China im Umbruch. Der Bürgerkrieg zwischen kommunistischen und nationalistischen Kräften im Land hinterlässt seine Spuren, auch bei den Steyler Missionaren. Pater Theodor Roling berichtet von seiner Flucht vor den „Roten“ in die Berge und von Plünderungen der verlassenen Missionsstationen. Als sich die Situation beruhigt, können die Glaubensbrüder und -schwestern ihrer karitativen Bestimmung in der Provinz Kansu (heutige Schreibweise Gansu) nachgehen. Sie versorgen die ländliche Bevölkerung in ihrem nordwestlichen Einsatzgebiet mit Medikamenten, helfen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und werben für den katholischen Glauben.
Die damals 13-jährige Agnes Krümpelbeck (links, helles Kleid) begrüßt ihren Onkel (Zweiter von rechts) nach seiner Rückkehr aus China mit einem Gedicht. Foto: privat
Nach dem Sieg der Kommunisten im Jahr 1949 wird es für die Patres ungemütlich. Das katholisch geprägte Treiben der Missionare ist den neuen Machthabern ein Dorn im Auge. Die Geistlichen werden nun als „Volksfeinde“ gebrandmarkt und müssen mit schweren Repressalien rechnen. Im August 1952 wird Theodor Roling verhaftet. Unter unwirtlichen Bedingungen verbringt er über ein Jahr im Gefängnis, bevor er im November 1953 ausgewiesen wird. Gezeichnet von der Haft und zwei Schlaganfällen kehrt er schließlich zurück in die Grafschaft. Auf dem Hof seiner Familie in Drievorden will er sich von den gesundheitlichen Strapazen erholen.
Als 13-Jährige Rückkehr des Onkels erlebt
Die damals 13-jährige Agnes Krümpelbeck kann sich noch gut an den Tag seiner Ankunft erinnern: „Dass jemand aus China zurückkam, war natürlich etwas ganz Besonderes. Das kam ja nicht so häufig vor“, sagt sie. Verwandte und Nachbarn schmücken die Hofeinfahrt und empfangen den Heimkehrer gebührend. „Es wurde gesungen und Gedichte aufgesagt“, berichtet sie. An das Gedicht, das sie zur Begrüßung ihres Onkels „Theo“ vortrug, erinnert sie sich bis heute: „Als Gottespriester zogst du aus, um Seelen zu gewinnen, um christusfernen Menschen das Licht der Welt zu bringen“, rezitiert sie die Anfangszeilen.
Nachhaltige Erinnerung an besonderen Gast
Drei Monate bleibt der besondere Gast in Agnes Krümpelbecks Zuhause. Der Besuch ihres Onkels hat sie nachhaltig beeindruckt. „In dieser Zeit kamen oft hohe Geistliche zu uns auf den Hof“, erzählt die 85-Jährige. „Fast täglich wurde im Wohnzimmer eine heilige Messe gefeiert, zu der sich auch öfter die Nachbarn einfanden.“ Nach seiner Auszeit auf dem heimatlichen Hof übernimmt Theodor Roling geistliche Aufgaben in der Region. Zunächst hofft er, irgendwann nach China zurückkehren zu können. Doch dazu kommt es nicht mehr. Am 11. April 1959 verstirbt der Pater im Alter von 53 Jahren.
Agnes Krümpelbeck fühlt sich ihrem „Onkel Theo“ bis heute verbunden. Sie freut sich darüber, dass die Erinnerungen an ihn und seine Erlebnisse in dem nun entstandenen Buch erhalten bleiben – nicht nur als Teil ihrer Familienchronik, sondern auch als ein Stück Zeitgeschichte.
Das Buch „Ein Leben zwischen Drievorden und China – Pater Theodor Roling (SVD)“, 204 Seiten, ISBN 978-3-69064-580-5, ist im Geest-Verlag erschienen und für 15 Euro im Buchhandel erhältlich.