Der Gedichtband "Wenn selbst der Plastikbaum stirbt" beim Türkischen Elternverband Ruhr in Essen
Kamuran Gündogan vom Vorstand des Elternverbands, die die Moderation übernommen hatte, leitete gefühlvoll den Abend ein. Sie wies darauf hin, was Worte vermögen. Sie könnten heilen, aber auch töten. Dazwischen würden wir uns Menschen bewegen. Worte, Sätze, hätten dabei auf jeden Fall auch etwas Musikalisches, ihre Sprachmelodie. Das sollten wir an diesem Abend miteinander bedenken. Wir, das waren Eda Muslubaş und Esra Ali, beide langjäjhrige Mitschreiberinnen bei den Essener Anthologien, Kazm Birlik, Komponist und Arrangeur türkischer Volksmusik, der den Abend auf seiner Saz begleitete, und ich. Im Mittelpunkt stand die Anthologie "Wenn selbst der Plastikbaum stirbt" aus dem Geest-Verlag, in der sich 14 Verlagsautorinnen und -autoren mit dem Thema "Klimawandel" auseinandersetzen. Wir hatten grob vorgeplant. Erst sollten Eda und ich eins unserer Gedichte quasi als Statement lesen, danach wollten wir in den Dialog eintauchen. Zunächst sollte ich auf ein Gedicht von Eda
antworten, dann sie auf eins von mir. Esra Ali hatte viele unserer Texte ins Türkische übersetzt. Das setzten wir jeweils dazwischen. Dazu sollte Kazim Birlik auf seiner Saz spielen und Lieder singen, türkische Volkslieder, aber auch eigene Volksliedkompositionen. Nach jeder Passage war ein Gespräch miteinander angesagt. So begann der Abend. Wir waren in kleiner Runde, etwa 15 Personen waren gekommen, alle unterschiedlichen Alters.
antworten, dann sie auf eins von mir. Esra Ali hatte viele unserer Texte ins Türkische übersetzt. Das setzten wir jeweils dazwischen. Dazu sollte Kazim Birlik auf seiner Saz spielen und Lieder singen, türkische Volkslieder, aber auch eigene Volksliedkompositionen. Nach jeder Passage war ein Gespräch miteinander angesagt. So begann der Abend. Wir waren in kleiner Runde, etwa 15 Personen waren gekommen, alle unterschiedlichen Alters.Sehr schnell entstand zwischen unseren Lesungen und der Musik ein intensives improvisiertes Zusammenspiel, ein eigener Dialog, geradezu ein Gespräch, das immer wieder auf den jeweils anderen reagierte. Kazim Birlik spielte in unsere Texte hinein, um dann mit einem Lied zu antworten. Wir wiederum fingen an, unsere Texte frei und neu zusammenzustellen. Oft ganz spontan. Und auch bei ihnen haben wir inhaltlich angefangen, kleine Veränderungen vorzunehmen, indem wir Passagen besonders betonten, doppelt lasen und so weiter. Auf diese Weise entstand ein völlig neues lyrisches Momentum, das für den Augenblick standhielt, um dann wieder zu verfliegen, wenn es nicht mit dem Handy festgehalten wurde.
Zwischendurch gab es immer wieder Gesprächsphasen. Und auch sie hatten es in sich, weil sie unglaublich intensiv wurden. Zunächst einmal wurde die Differenz zwischen Edas und meinen Texten herausgearbeitet, ihr Schreiben aus einem inneren Strom heraus, der sich zwischen der deutschen und der türkischen Kultur hin und her bewegte, während meine Lyrik eher einen Gegenpol bildete. Die Texte sind knapp und halten immer wieder inne, um Reflexionsmöglichkeiten zu eröffnen und der "Magie der Worte" ein (selbst-)kritisches Gegengewicht zu geben. Eine Erinnerung daran, dass in Deutschland im Dritten Reich einmal alle Instanzen moralisch versagt und sich von den Nazis mt ihrer Wortmagie hatten verführen lassen! Das wurde intensiv diskutiert und nachempfunden.Gerade auch bei der Frage, wie wir Natur wahrgenommen, wie wir die Umweltverschmutzung in unserer Lyrik aufgegriffen haben, und das, was mit ihr zusammenhängt! Es wechselte ein wenig. Mal blieb Eda in ihrem Duktus hoffnungsvoll, während meine Gedichte den Verlust beklagten. Mal war es umgekehrt. So wurde es wahrgenommen. Und so setzte sich der Abend fort, wobei unsere Improvisationen zu dritt bzw. zu viert immer mutiger wurden und immer weiter ausholten. Wir hatten ja nicht geübt. Es entstand alles aus der Situation heraus.
Ein I-Tüpfelchen war schließlich, dass sich der Kreis öffnete und sich auch andere mit literarisierenden und literarischen Beiträgen einbrachten, die sie mitgebracht hatten, immer unterstützt von Kazim Birlik auf der Saz. Teils lasen sie Eigenes, teils aber griffen sie auch Texte von türkischen Dichtern auf und rezitierten diese. Ich selbst habe die Gelegenheit spontan genutzt, um einige Fragmente aus meinem neuen Lyrikband "den frühling an den regenbogen erinnern" einzubringen, weil in ihnen auch eine Saz eine zentrale Rolle spielt. Auch das kam alles gut an. Kazim Birlik sprach sogar von Seelenverwandtschaft.
Es war ein gelungener Abend, der nachklang. Äußeres Zeichen dafür war sicherlich auch, dass er nicht wie geplant eineinhalb, sondern ganze drei Stunden dauerte, ohne dass sich da etwas auflöste.
Ein großes Dankeschön an Dr. Ali Sak, den Vorsitzenden vom Elternverband Ruhr, an Kamuran Gündogan für ihre einfühlsame Moderation und alle anderen, die am Gelingen dieses Abends Anteil hatten. Es war einer, der Lust auf mehr machte!
artur nickel