Frank M. Fischer - Das Sprechen der Dinge (für Pablo Neruda)

Das Sprechen der Dinge

(für Pablo Neruda)

 

Wir erinnern uns manchmal daran wie wir

Träumten von der Zeit eines tieferen

Lebens, das so reich war an Vorstellungen

Von der Schönheit, die dadurch entstand

Dass man etwas empfand für anderes Leben

Menschen, Tiere und Landschaften

Und dann fragen wir uns

ob wir es verlernt haben

Wahrzunehmen, wie die Dinge zu uns

Zu sprechen versuchen

die Berge

die Meere

die Hände

die Nashörner

die Lippen

die Reiher

die Aale

die Kröten

die Kraniche

die Flüsse

die Träume

die Straßen

die Uhren

die Bäume

die Augen

die Algen

die Lebenden

die Toten

Ob wir unser Gehör eingebüßt haben

Und somit den Grund unserer Sprache

 

Wenn wir feststellen, dass wir nichts brauchen

Als zu uns sprechende Augen, Hände und Lippen

Oder dass wir sie nicht mehr brauchen wollen

Weil sie uns verletzbar machen und spürbar

Bleibt es ein wüstes Tosen in uns

das niemand

Versichern will und das auch die Apps

Nicht verbinden können ohne Angst

Auch wenn die Versprechungen den Preis

Treiben und die SexRobotPuppen sich fast

Bewegen wie schlafende Schönheiten

Deren rhythmischer Sprechgesang

Sich auf den Geliebten legt wie Moos

Oder Rost