Gottlieb Meinhold - Lachen
Lachen
Was für eine Zeit, in der nicht nur einer, der zu viel lacht, sich verdächtig macht, sondern jeder Lachende Gefahr läuft, den Verdacht zu erregen, er könnte den Ernst der Lage vergessen haben, oder er wisse noch nicht um ihn, den Ernst, oder sie, die Lage. Oder – noch schlimmer: Als wisse er um den Ernst der Lage und lache trotzdem, weil ihn sein Lachen aufmuntert, der Ernst aber nicht, oder weil er den Ernst überhaupt nur ertragen kann, wenn er dessen Düsternis mit Gelächter aufhellt – oder gar als sei das Gelächter eine Waffe gegen die Übermacht des Ernstes und ein Hohn auf die ewige Machtlosigkeit gegenüber der Gewalt des Ernstes der Lage oder gegenüber jenen, die aus dem Ernst der Lage die Mittel zur Erhaltung ihrer Macht beziehen. Außerdem: Wer wagt es überhaupt noch, mit Sicherheit zwischen einem frohen und einem bitteren Lachen zu unterscheiden?