Herbert Allerheiligen legt Manuskript über das Leben von Ella Türk vor: 'Ella Türk - ein verlorenes Leben in Berne'

Nach seinem erfolgreichen Buch über die Geschichte der jüdischen Gemeinde In Berne legt Herbert Allerheligen nun ein Manuskript über die wohl bekannteste jüdische Bürgerin Bernes Ella Türk vor. Mit großer Akribie hat er die vorhanden Dokumente durchforstet, Dokumente durchsucht, Zeitzeugen befragt und vieles mehr. Er schreibt:

"Der Versuch einer literarischen Würdigung von Ella Türk über 50 Jahre nach ihrem Tod zeichnet sie heute noch als eine sehr bescheidene, häufig sehr zurückhaltende Persönlichkeit aus. Trotz aller Beherrschung wirkte sie auf ihre Mitmenschen gegenüber feinfühlig und sehr zugewandt. In meinem Buch ‚Jüdisches Leben in der Gemeinde Berne von 1771 bis 2021‘ wurde sie auf wenigen Seiten erwähnt, aber nicht ihrer Rolle in der Gemeinde Berne entsprechend gewürdigt.

Es gibt über 50 Jahre nach ihrem Tod nur noch wenige Menschen, die sie persönlich gekannt haben. Diese können oder wollen nichts mehr zu ihr, zu ihrem Leben sagen.

Trotz vielfältiger Suche in allen möglichen historischen Quellen, scheint ihr Leben einfach und allmählich zu entschwinden. Diese Tatsache birgt die Gefahr, dass auch ein Teil der Geschichte Bernes verschüttet bleibt."

Die Frau in dunkler Zeit, Ella Türk, war Bürgerin einer Gemeinde mit jüdischen Familien aus der Umgebung Oldenburgs. Sie wurde durch mehrfache Eingaben eines arischen Bürgers an die Gestapo so drangsaliert, dass sie 1945 in die „vom Führer geschenkte Stadt Theresienstadt“ deportiert wurde, von wo sie glücklicherweise nach einer längeren Odyssee in ihre Heimat zurückkehren konnte. Im selben Lager befand sich auch die kürzlich verstorbene Margot Friedländer, die sagte: „Nein, ich kenne keine Bitterkeit. Ich habe Verständnis für alles. Ihr habt die Wahl, menschlich zu sein! Seid Euch dessen bewusst! Seid Menschen!“ Mit diesen Gedanken traf sie genau das, was Ella Türk nach der Befreiung lebte. Sie hatte Verständnis für ihre Mitmenschen und kannte keinen Groll. Herbert Allerheiligen befasst sich, ohne Historiker zu sein, seit vielen Jahren mit dem Schicksal jüdischer Familien.