Kreiszeitung berichtet ausführlich über die Buchpremiere von Holger Küls 'Eine halbe Stunde Nähe'

„Gedichte müssen die Wirklichkeit untersuchen“: Alfred Büngen

Holger Küls präsentiert seinen neuen Gedichtband in Verden. Die Lyrik zeigt das Große im Kleinen. Über 80 Interessierte kamen zur Lesung.

Verden – Beobachtungen, Gefühle, Erinnerungen und Momentaufnahmen. All das fließt in die Gedichte ein, die der Verdener Berufsschullehrer Holger Küls verfasst. Er betrachtet die Menschen und seine Umgebung genau und achtet auf Details, die bei ihm wiederum Gedankenblitze auslösen. Seine Lyrik zeigt das Große im Kleinen und das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen. Im Gemeindezentrum Nikolai stellte Küls Sonntagabend seinen neuen Gedichtband „Eine halbe Stunde Nähe“ vor.

In „einleitenden Worten“ zeigte sich Verlagsleiter Alfred Büngen vom Geest-Verlag freudig überrascht, dass über 80 Interessierte zu der Buchvorstellung gekommen waren. „Was hat uns Lyrik heutzutage noch zu sagen?“, fragte Büngen und gab auch gleich die Antwort: „Gedichte müssen die Wirklichkeit untersuchen und das Wesentliche mitteilen, zum Beispiel die Nähe untereinander“.

Von Lebenslauf-Gedichten und Alltagserzählungen

Seine Gedichtvorträge teilte Holger Küls dann in drei Abschnitte ein. Dazwischen gab es zur Lyrik passende Musik mit Johanna Meyer (Querflöte) und Justus Wahlers am Klavier. Küls begann mit „Lebenslauf-Gedichten“, einige davon nahe an der eigenen Biografie. Alltagsbegebenheiten und Beobachtungen aus verschiedenen Lebensphasen ließen die Zuhörer das Vorgetragene miterleben. Dazu trug seine klare, zugewandte Sprache und auch die passende Gestik bei.

 


Der Verdener las autobiografische Verse vor, die seinen Fall in früher Jugend aus einem Baum in Brennnesseln schildern, die wiederum die Mutter dann zum Mittag servierte. Oder seine Erinnerungen an ein Nilpferd auf der Kommode daheim und den daneben liegenden Schuh seines kleinen Sohnes. Ungewöhnliches eben, stille Momentaufnahmen von Nähe. Im zweiten Teil seiner Lesung ging es um Alltags-Begebenheiten, beispielsweise an der Pommesbude oder beim Urlaub in Bansin auf Usedom. Lyrische Betrachtungen gab es auch zum Domherrenhaus mit seinen Sammlungen, darunter auch ein angeblicher Liebesbrief von Albert Einstein.

Glaube, Spirituelles und Ernstes waren Themen im dritten Lyrikteil. Im Dom zu Verden sucht er beim Betrachten der weißen Wände und der hohen Decke nach der richtigen Anrede beim Gebet. Auch das Hochwasser vor gut eineinhalb Jahren in Verden verarbeitet er mit passenden Zeilen und sinniert über die in der Seenlandschaft verschwundenen Ufer, Wiesen und Felder, um dann seine Zuhörer bildlich miterleben zu lassen, wie Wildgänse nach Landeplätzen suchen.

Über Kriege schreiben...

„Schwierig war es, mich angesichts der Weltlage mit dem Thema Krieg auseinander zu setzen“, erläuterte er, bevor er vier kurze Gedichte dazu vortrug. Gedichte mit szenischen Gedankenbildern über Tiefflieger, Planwagen im Haff, toten Pferden, verlorenen Kindern, einem Soldatenfriedhof und vergeblicher Trostsuche in einer kleinen Kapelle – Gedanken und Worte, die auch ohne Anklage für sich sprachen.

Bei all seinen Gedichten wählt Holger Küls eine präzise, einfache, ja eher minimalistische Sprache. Er verzichtet auf unnötige Ausschmückungen. Dadurch schafft er Nähe zum Zuhörer und ermutigt sie, in seine Gedankenwelt einzutauchen und sich dann mit ihren eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. So wird durch die Leichtigkeit der Sprache Nähe geschaffen. Der Autor endete mit dem Kurzgedicht: „Manchmal spüre ich morgens tiefes Bedauern über die Gedichte, die ich bis zum Abend nicht geschrieben habe“. Worte, die erahnen lassen, dass dieser Gedichtband nicht sein letzter gewesen sein wird.

Über den guten Besuch der Veranstaltung freute sich auch Sandra Bysäth von der gastgebenden Nikolai-Gemeinde, die damit die Bemühungen um mehr „Kultur im Stadtteil“ auf fruchtbarem Boden sieht.