Linda Hussain Al Asfar - Integration ist gefragt
Linda Hussain Al Asfar
Hallo, ich heiße Linda Hussain und bin 46 Jahre alt. Zuerst bin ich mit meinem Mann nach Essen gekommen, um Arbeit zu suchen. Hier lebte ein Cousin von ihm, der ihm geholfen hat. Er hatte ein Abschleppunternehmen. Er fing an, bei ihm zu arbeiten. Und als er dann schon neun Monate gearbeitet und ein Haus gemietet hatte, kam ich mit meinen fünf Kindern nach. Wir sind hierhergekommen, weil es in unserem Land sehr schwer war, Arbeit zu finden und es uns nicht gut ging.
Am Anfang war es für mich und meine Kinder sehr schwer wegen der Sprache, weil ich von meiner Familie und meinen Freunden getrennt war und auch wegen des Wetters. Hier ist es sehr kalt. Auf den Kanaren ist das Klima ganz anders. Und auch die Menschen, die Gewohnheiten. Aber jetzt bin ich zufrieden, und meinen Kindern gefällt das Leben hier besser. Das Gute an Deutschland ist, dass es mehr Arbeitsmöglichkeiten für meine Kinder gibt. Sie haben mehr Auswahl beim Studium. Zum Beispiel gibt es viele Arten von Universitäten und Ausbildungen. Auch wirtschaftlich gibt es hier mehr Perspektive. In Spanien hatten wir das nicht. Es gibt auch mehr muslimisches Leben: Moscheen, arabische Supermärkte und vieles mehr. Was mir nicht gefällt, ist, dass es sehr kalt ist, dass es viel Kriminalität, Schlägereien gibt, vor allem mit Ausländern! Dass es viel Rassismus gibt und dass es mir sehr schwerfällt, die Sprache zu lernen.
Als ich hier ankam, waren meine Kinder noch klein. Mein Junge, der Salim heißt, war elf Jahre alt. Am Anfang fiel es ihm sehr schwer, sich zu einzugewöhnen. Obwohl er kein Deutsch konnte, ging er in die Schule. In dieser Zeit war es sehr gefährlich. Er hat viel Mobbing erlebt. Die Kinder haben ihn geschlagen. Sie haben über ihn gelacht. Bis einige Zeit verging und sich alles besserte! Jetzt ist er 21 Jahre alt und arbeitet bei einer Elektrofirma. Danach kommt meine Tochter Jaim. Auch ihr fiel es am Anfang sehr schwer. Sie haben über sie gelacht, und einmal wurde sie auch geschlagen. Jetzt, Gott sei Dank, geht es ihr super. Sie studiert Pädagogik an der Universität. Dann kommt Nur. Auch sie hat am Anfang Mobbing erlebt. Jetzt ist sie in der elften Klasse im Gymnasium und sehr glücklich. Danach kommt Sara. Sie war fünf Jahre alt, als sie hier ankam. Sie ging in den Kindergarten. Jetzt ist sie in der zehnten Klasse an der Realschule. Und die Kleinste ist Amalia. Sie war sechs Monate alt, als sie hier ankam. Jetzt ist sie in der fünften Klasse an der Realschule. Und es geht ihr sehr gut. Am Anfang war es für sie sehr schwer. Aber jetzt ist sie sehr glücklich. Und wenn man sie fragt, ob sie auf die Kanaren zurückkehren wollen, sagen alle Kinder Nein.
Mein Mann ist auch zufrieden. Er arbeitet weiterhin bei dem Abschleppdienst und hat hier schon gute Freunde. Auch er hat sich an das Leben hier gewöhnt. Für mich ist das Schwierigste, weit weg von meiner Familie und meinen Freunden zu sein. Und die Sprache und das Klima hier. Aber ich bin auch zufrieden, weil ich eine Arbeit habe. Und ich habe viele gute Menschen kennengelernt.
Ich finde, es sollte verbessert werden, dass es mehr Jobs geben, die muslimische Frauen mit Kopftuch machen dürfen. Dass sie die Freiheit haben, sich auszudrücken oder zu sagen, was sie denken! Zum Beispiel in Bezug auf das, was in Palästina passiert! Für mich ist das Wichtigste, in Frieden und Harmonie zu leben. Keine Probleme zu haben, dass meine Kinder und mein Mann hier glücklich sind! Dass sie eine gute Ausbildung und einen guten Job haben! Dass ich es mit der Zeit schaffe, meine Sprache zu verbessern und voranzukommen!