Mily Meyer - Zimmerkind
Mily Meyer (21 Jahre)
Zimmerkind
zimmerkind, jag den algorithmus durch dein schlafzimmer
füll den lauf mit grellen ähren
um den hobbyist*innenverein
des touching grass
root treatment in der abnabelung
der grasnarbe
auf deinen kühlen unterarmen
gestreckt ins uv monster
im verlassen des raums
zwischen den wänden
der motorenlärm
zwischen den rädern
der staub vom abrieb des zähnezusammenbeißens
deiner schönen jawline
preislich inbegriffen
sorgenfresser im dosenmund
vielleicht da ein ruhegebiet
mit wenig feingefühl
einen vater finden
in vorbeiziehenden sichtsuchern
mit fadenkreuz zwischen deinen rippenstäben
versteckst du unter deinem wolfsfell
ein riesenherz braucht blutnahrung
also reiß ihn
mit deiner scharfen zunge
in stille geschliffen
durch die dortmünder
neue böse wörter gelernt als
datenlandeplatz
in deinem schlafzimmer
das du mit dir trägst in einer kleinen kiste
gegen eventuelle kopfschmerzen
vom gegen deine schubladen stoßen
im wählerverzeichnis der nächstgrößeren kleinstadt
deiner geburtenvergangenheit
jetzt ist dir nichts mehr heilig
zimmerkind, beim unheilig sein
deine knie weicher geworden
für mehr pleasure
ohne blaue flecken
die auch mit omas hilfe nicht mehr
auszuwaschen waren
eine geschichte
mit viel biss
in deinem noch immer hungrigen unterkiefer
der speichelfluss
beginnt mit der verdauung
noch vor dem anfang
also juicy
diese sache
die dort zwischen den worten liegt
say less
auf übervielen zeichen
im backspace deiner kleinen kiste
liegen sicher fehler begraben
die auch mit omas hilfe nicht mehr
nicht weniger
angst machen
die großen lücken in deinem
vorlauten mund
wenn er verschlossen bleibt
um die tiefen wasser beisammenzuhalten
mit deinen sonst sehr leeren armen
zimmerkind, öffne arme und portemonnaies
um die kleineren männer
nicht vergessen zu machen
gehen noch unter
ertrinken noch in ihren superlativdaunenjacken
wie weich könntest du fallen
wenn du nur fallen würdest
mit deinem kopf in keinem fixzustand
vorbei an leeren weiden
der aufgelösten hobbyist*innenvereine
einer neuen subkultur
nun suchend
die wärme im asphaltbecken
der parkplatzwärter
liegendes spalier
für deine einparkrangierung
wie man hier spaß haben kann
mit ersten testversuchen im accelerationismus
so schnell schon
vergangenheitsraub geworden
im sekundenschlaf
der vorbeiziehenden bilder
deiner regie
unstudiertes akademikererzeugnis
bist ja auch nur schlaff geworden
vom erblicken der welt
da scheint der nachdruck verloren
im nagelbett
deines juckreizes
ausbluten
zimmerkind, im blutfluss lässt du dich jagen
der bedeutungsschwere deiner kargen worte wegen
kürzungen reduziertes kontingent
heute mehr als alle tage
die du zubrachtest
in der zukunftsmaschine
einem lauten ort
dabei die nächste sekunde
schon längst weggelaufen
die eile keilt in der gangschaltung
deiner überfliegerübung
so aerodynamisch
wie wollen
der schafe geschoren an deinen albträumen
von denen keiner zu sprechen weiß
der kein schäfer ist
rastlos gestreift
von deinem blick
so aerodynamisch
in der luftlinie
deines nervösen augenpaares
ist nicht allein
in seinem wimpernschlag
das schwarz
ist die fomo des wegschauens
also sieh an
die dunkelheit einer ereignislosen umnachtung
in der dir die augen gebrochen
von der morgensonne
in deinem schlafzimmer