Philipp Létranger mit Lesebericht über Sigfried Völlers Lyrikband 'flusswärts'
"Der Schönheit des Momentes wegen"
Ein Lesebericht zum Gedichtband "flusswärts" von Siegfried Völlger
Das Buch "flusswärts" ist im November 2025 im Geest-Verlag erschienen. Flüsse waren seit frühester Zeit natürliche Siedlungsorte und gleichzeitig Reisewege, galten als pulsierende Lebensadern, die mit der Sehnsucht nach Veränderung, dem Unterwegssein und der Ferne verbunden sind. Was liegt also näher, als zu vermuten, dass es in diesem Gedichtband um Lebenswege gehen wird, um Zeit und Vergänglichkeit, vielleicht auch um ständige Erneuerung.
Doch wer Siegfried Völlger als Autor kennt, weiß, dass ihm nichts ferner liegt, als sein Schreiben fest an ein vorgegebenes Thema zu binden. Viel lieber mag er staunen, was sich in der Welt und der Fantasie offenbart und was sich spontan im Schreiben zeigen mag.
"Wuwei" kommt mir dabei in den Sinn – das taoistische Konzept des Nicht-Tuns, oder anders gesagt der "Absichtslosigkeit". Vielleicht trifft es das, vielleicht würde er aber auch nur sagen: "Ach Schmarrn", wenn ich ihm mit solchen Vergleichen käme.
Was es mit dem Titel "flusswärts" auf sich hat, und welchen Einfluss das Thema "Fluss" auf die Entstehung des Gedichtbands hatte, hat er mir mal in einer gesprächigen Stunde im Café erzählt, aber ich will niemandem die Freude nehmen, darüber nachzudenken. Und er selbst mag seine Texte und Gedichte sowieso nicht gerne erklären.
So viel kann ich aber verraten. So verstreut die Themen in diesem Gedichtband anfangs auch erscheinen mögen, sie streben flusswärts und spiegeln das Leben von den Quellen bis zur Mündung.
Wie die Bewegung des Flusses unvermeidlich zur Mündung hinführt, bis zu seinem Ende, führt das Leben alles dem Tod entgegen. Es ist diese Bewegung, die dem Gedichtband seine eigentümliche Spannung, Ernsthaftigkeit und Schwere verleiht, wie beispielsweise in diesem Gedicht: "dass ich sterben werde / ist unerfreulich sicher / danach wird nichts sein / warum ich da bin / bleibt rätselhaft bis dann".
Dennoch erschöpfen die versammelten Gedichte sich nicht darin, uns die Dunkelheit ans Herz zu legen; sie vermitteln auch Frieden und Gleichmut, manchmal sogar einen Spalt, durch den das Licht der Hoffnung scheint, wie hier in dem Gedicht "landleben": "dennoch jetzt / umwege machen / um der schönheit / eines momentes wegen".
Siegfried Völlger schreibt seine Gedichte, so wie er spricht und erzählt, wenn er mir gegenüber am Tisch sitzt. Man muss beim Lesen sogar darauf gefasst sein, dass wie beim Sprechen mal ein Satz halb ausgesprochen bleibt, bevor der nächste beginnt. Er meidet Manierismen und überflüssigen Tand. Er verbirgt nichts, will aber auch nichts vermitteln. Trotzdem kommt die Poesie in seinen Gedichten nicht zu kurz. Sie schöpft aus der Fülle seiner Fantasie.
Ich weiß, es gibt einen treuen Stamm von Lesern für die ganz und gar eigenwillige und einzigartige Lyrik von Siegfried Völlger; ich selbst gehöre dazu. Lest, probiert es selbst aus. Es lohnt sich.