Sybille Fritsch - Blaue Stunde
Blaue Stunde
Die Kinder, die sich lieben
sie halten sich umschlungen
gestohlen die Zeit
dem Außerhalb ihrer selbst
so viel Raum
in einer Weite ohne Geburt
Die vollen Gläser klirren nicht...
vergessen in der Andacht erster Liebe
aufgespart vor der Ahnung von erstem Schmerz
halten sie sich im Takt aneinander
fest – sehr langsam senkt sich das
Blau der Stunde über die Geschichte
die sie schreiben über die Schritte
die sie tanzen, um nicht zu
fallen in heiligen Abgrund
haben sie die Augen geschlossen
leicht in den Nacken gelegt den Kopf
leicht geöffnet den Mund
zu lächeln, vielleicht sich zu küssen
Wie von ferne diese Melodie
ohne Anfang und Ende
dem Takt ihrer schlagenden Herzen
nachsetzend…
sie trinken Stille, blaue Stille
und wiegen sich
in Sicherheit
aus ihrem neuen Lyrikband
Nichts Sein?