Was für eine Buchpremiere! Sigune Schnabel überzeugte gestern in Wuppertals kultursalon No.10 mit ihrer kafkaesken Prosa

Welch wunderbare Einrichtung. Etwas versteckt in einem altbergischen Stadthaus in Wuppertal liegt der No10 kultursalon, seit über 10 Jahren von den Eigentümern liebevoll mit Leben gefüllt. Über die ausgetretene Treppe erreicht man einen hohen großen Raum, desen Atmosphäre einen Besucher sofort gefangen nimmt. Genau die richtige Räumlichkeit für die gestrige Buchpremiere von Sigine Schnabels erstem Prosaband im Geest-Verlag 'Glas und andere Irrtümer'. 

Nach und nach finden sich die Besucher ein, ergattern eine der Sitzmöglichkeiten, bedienen sich mit einem Getränk. Viele kennen sich untereinander, die meisten sind erstmals im kultursalon. Nach einer kurzen Einführung durch den Hausherrn, Herbert Gerstberger, der zusammen mit seiner verstorbene Lebensgefährtin Felicits Miller den kultursalon aufgebaut hat, beginnt Sigune Schnabel mit der Lesung. Das Publikum ist irritiert und überrascht. Keine Handlungsgeschichte. Ein zweite Erzählung. Autorenkollege Frank Fischer hat ihre Texte so umrissen: "Die kurzen Geschichten von Sigune Schnabel lassen für einen Moment ein ganzes Leben aufleuchten, dessen Schönheit, aber auch dessen Dramatik und Tragik. Jedes Leben wird von außen beobachtet, wie von einem stillen Zeugen, der in der Verdichtung seiner Wahrnehmung ein Thema findet, das dieses Leben auf die Probe zu stellen, aber auch auszumachen scheint. In diesem Sinne findet jede dieser erzählten Lebensperspektiven zu ihrem eigenen Zauber und lässt erkennen, warum wir schließlich alle unsere eigene Geschichte finden müssen, um zu uns selbst kommen zu können." 

Schon bald entspannt sich am Abend eine Diskussion unter den Anwesenden. Der kafkaeske Ansatz der Geschichten wird in höchsten Tönen gelobt. Die Verflüchtigung der Wirklichkeit, das Pendeln zwischen Realität und Fantasie. Die Zuhörer sind berührt, erschrocken, begeistert. Eine Diskussion über die Aufgabe des Autoren, über die Aufgabe der Literatur entwickelt sich. Sigune Schnabel wird über ihre Schreibmotivation und auch Schreibtechniken befragt, über ihr Pendeln zwischen Lyrik und Prosa. 

Ein tiefe inhaltliche Diskussion mit höchsten Lob für das Schreiben der Autorin prägt den Nach-Leseabend. Am Ende natürlich Beifall, Signieren und viele Nachgespräche. Literatur, so wie man sich sie auch in der Vermittllung wünscht. Jeden Abend, irgendwo in einer Stadt, in einem kultursalon. Auch Stoff für eine sich auflösende Wirklichkeitsgeschichte.

An diesem Abend aber wunderbare Realität. Man ist sich einig. Eine Literatur, der man nur weite Verbreitung und höchste Anerkennung wünschen kann. Und vor allem ein Weiterschreiben, eines Tages vielleicht auch mit einem Romandebut der Autorin..