Werner Lutz - Der Traum von Parfum
Der Traum vom Parfüm
In der Schlange ist sie oft die letzte, die dort an der Tafel steht,
und kriegt wieder mal den Rest der Reste, wie’s im Leben ihr oft geht.
In der Wärmestube sitzt sie täglich, weil mit ihr dort jemand spricht,
denn als Freunde hat sie nur zwei Hamster, aber reden tun die nicht.
Ihre Küche aus der kurzen Ehe zahlt sie noch in sechs Jahrn ab,
von ihrm Mann spürt sie noch heut‘ die Schläge, denn die waren nicht zu knapp.
Ja, ihr Putzjob wurde heut‘ gekündigt, und sie weiß grad nicht wie’s weiter geht,
aber Flaschen sammeln tut sie auch nicht, weil’s andern ja noch schlechter geht.
Wenn in den Vollmondnächten sie den Schlaf wieder vermisst,
denkt sie an das Parfüm im Laden, das ganz unbezahlbar ist,
völlig unerreichbar ist.
Ja, noch manchmal morgens ist ihr Bett nass – zu oft war sie als Kind allein.
Dann macht sie zum Trost sich Bratkartoffeln, und holt sich vom ALDI Wein
Ob der nette alte Herr im Park sitzt, sehr gepflegt und sehr charmant?
Gestern trafen sich mal ihre Blicke, so als wärn sie schon lang bekannt -
als wärn sie schon lang bekannt.