01.11.2026 - aktuelle Autorin - Miriam Bornewasser
1999 in Friesoythe geboren, studierte ich von 2018 bis 2024 Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Meine medienübergreifende Arbeit beschäftigt sich unter anderem mit Räumen und Sprache. Raummodelle werden genutzt, um zu erkunden, wie Raum außerhalb von funktionalen Restriktionen aussehen kann und welche Atmosphären er erschafft. Mich interessiert, wie Raum ohne das sichtbare Auftreten von menschlichen Akteur*innen Geschichten erzählt, welche Ideen, Gefühle und Erinnerungen er evoziert. Ich arbeite häufig mit Referenzen zu Literatur und Theater und lasse eigene oder fremde Texte in meine Installationen einfließen. 2024 erhielt ich im Rahmen der 78. Bergischen Kunstausstellung den ersten Publikumspreis. 2025 fand zu meiner großen Freude mit restraumraumrest meine erste Einzelausstellung im KIT – Kunst im Tunnel in Düsseldorf statt.
Neben meiner künstlerischen Arbeit bin ich auch als Autorin tätig. Mein Fokus liegt dabei auf Lyrik. 2020 erschien mein erster eigenständiger Gedichtband Wände ohne Welten. Oft experimentiere ich mit Fragmenten und verschiedenen Textformen, die ich zusammenfüge. Das Stuttgarter Lyrikstipendium erlaubte mir 2025 an meinem dritten Buch lehr mich spiegelschrift zu arbeiten. 2023 bis 2025 schrieb ich mit der Schweizer Autorin Annalisa Hartmann an einem gemeinsamen Projekt, für das wir von Bern und Düsseldorf aufeinander zu wandern. Das daraus resultierende Buch flusspost erschien im April 2026.
aus: Dürreregen - Spuren eines Suchens
Den drei jungen Landwirten begegne ich zufällig. Ich spreche auf dem Markt Menschen an, um mehr Vechtaer*innen zu begegnen, die ich nicht darüber gefunden habe, dass sie sich in irgendeiner Form engagieren. Ich fange unten an und bewege mich auf der Marktstraße nach oben und da stehen sie, drei junge Männer, die dabei sind, Fischbrötchen zu essen. Da ich mich bisher mit noch nicht so vielen jungen Männern über mein Thema unterhalten habe, spreche ich sie an.
Ich erkläre, wer ich bin und was ich möchte, und frage, ob sie sich mit mir unterhalten möchten. Sie stimmen zu, sagen, sie hätten ein paar Minuten Zeit.
Ich bedanke mich, frage, ob Klimaschutz für ihr Leben wichtig ist. Ob sie sich um Klimafreundlichkeit sorgen.
Der links von mir antwortet: „Wir sind ja Landwirte. Da ist Klimaschutz schon Thema. Es gibt diese Auflagen und an die halten wir uns.“
Und in eurem alltäglichen Leben? Ist das da auch wichtig?
„Unser Alltag ist unsere Arbeit.“
Der in der Mitte nickt. Der rechts ist mittlerweile weggewandert, hat sich unauffällig entfernt. Ich kann verstehen, dass er nicht mit mir reden möchte. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich Teil dieses Gesprächs sein möchte.
„Man merkt das schon mit dem Wasser.“
„Mit der Dürre“, ergänzt der mittlere, der jetzt der rechts Stehende ist.
„Das ist ja auch nicht gut. Wir können auch nicht so viel bewässern. Wegen der Auflagen.“
Irgendwie kommen wir in unserer Unterhaltung zum Thema Verkehr.
„Autofahren ist schon einfach angenehmer.“ Der linke.
Fahrt ihr auch mal mit dem Zug oder einem Bus?
Schweigen.
„Wir wohnen auf dem Dorf.“
Das ist dann mit der Anbindung ja manchmal schwierig. Würdet ihr das mehr nutzen, wenn das Angebot größer wäre?
Kleine Pause.
Dann spricht der rechte: „Na ja. Warst du schon hier, als Stoppelmarkt war?“
Ich schüttle den Kopf. Aber ich weiß natürlich, wovon er redet.
„Also da hält der Zug direkt neben dem Gelände, und das ist schon ziemlich praktisch. Dann kann man direkt aus unserem Dorf da hin- und auch wieder zurückfahren. Aber sonst …“
„Mit dem Auto ist es meistens schon besser.“
Der eine, der weggewandert war, hat sich wieder genähert, hält sich aber in sicherem Abstand.
Ich bedanke mich, dass sie sich für mich Zeit genommen
haben.
„Klar.“
„Kein Problem.“
Ich wünsche ihnen einen schönen Tag und drehe mich um,
möchte eigentlich auf andere Leute auf dem Markt zugehen,
aber meine Beine haben andere Pläne. Sie halten
nicht an. Sie gehen einfach weiter