Gedicht des Tages

Frauke Tuttlies - Rudi hat Köpfchen (Gedicht des Tages)

 

Rudi hat Köpfchen

 

Die Gesichter der Häuser,
verschlossen.
Abweisend standen sie,
eine Reihe.
Nr. 19 fiel nicht aus dem Rahmen. Und doch

schlummerte etwas hinter der stillen Fassade.

Vor dem Eingang stapelten sich Bewerber,
warteten auf die Öffnung der Pforten
zum Besichtigungstermin.
Unwillkürlich suchte ich Abstand.


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Stanislaw Wygodzki - Alles erinnert mich an dich (Gedicht des Tages)

 

Alles erinnert mich an dich:
im offenen Fenster des Himmels Blau,
im Wind biegsam und schwankend das Gras,
die fernen Bäume, regennaß.

Alles erinnert mich an dich:
der Lokomotive fernes Pfeifen,
die Nebelschwaden bläulichblaß,
am Straßenrand der Busch, vom Sturm zerzaust.


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Werner Hardam - Hänschen klein (Gedicht des Tages)

Hänschen klein

Der Junge saß vormittags
allein am Wegesrand,
dort wo die Stadt zu Ende ist.
Niemand wusste, wer er war.  
Er schaute umher, so als
ob er auf jemanden wartete.
Aber alle Leute,
die sich auf der Straße aufhielten,
kannten ihn nicht,
gingen an ihm vorüber.


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Marianne Pumb - Kammerjammer (Gedicht des Tages)

Kammerjammer

Mir ist so jammer
jämmerlich
geh in die Kammer
kämme mich

Herz gebrochen
Kochen entwichen
Schönheit ist schon
lange verblichen

Haare struppig
Freude verdorrt
ich will aus meinem
Leben fort

Bin schon kläglich
schwach, knitterlich
will nicht werden
noch bitterlich

Klage, verzage
für mich dahin
kommt doch die Sonne
mir in den Sinn


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Melanie Michels - Reste (Gedicht des Tages)


Reste

Du hast
das Messer
in meinem Rücken
vergessen
Und dein Bild
in meinen Augen
Du hast
kein Bild von mir
Du hast
deine Schritte
in meinem Ohr
vergessen
Und immer noch
schmecke ich
den fahlen Geschmack
von Lügen
diese
schönen
Worte
Hätte ich sie nur gehört
aber du warst ja hier


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Jacek T. Zielinski - Der Fremde (Gedicht des Tages)


DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.


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joachim schlichte - zugegeben (Gedicht des Tages)

zugegeben alltaegliches
duemmlich modern stress vorschiebend

suche ich , freundin ,

dich
vielleicht
doch nur mich


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Ursula Sieg - Für Hilde Domin (Gedicht des Tages)

FÜR HILDE DOMIN*

ALLEIN
UNTER TAUSENDEN
DIE EINE
ROSE
SPRICHT
FLÜSTERT
DUFTIGE WORTE
DIE SCHWEBEND
DIE HERZEN ERREICHEN
GAR HAFTEN BLEIBEN
IM ROT

*Hilde Domin (Lyrikerin): geb. 27.7.1909 in Köln, gest. 22.02.2006 in Heidelberg


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Lisa F. Oesterheld - Zur Nacht

Lisa F. Oesterheld
Zur Nacht

 

Zur Nacht    

Ich lege den Tag ab
und was er mir gab
die vielen Gesichter
Wolken und Lichter

was auf mich zukam
und was er mir nahm
die Leere die Fülle
den Lärm und die Stille

die Freude das Leid
lege ich ab wie mein Kleid
Ich geh in die Nacht
so herznah bedacht


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Sonja Sandt - Die Menschen (Jugendliche melden sich zu Wort)

Sonja Sandt
Die Menschen

 


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