„Jetzt ist Sense“ am 24. September beim Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin - ein Lesungsbericht

„Jetzt ist Sense“ am 24. September beim Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin

Diese Lesung hat im wahrsten Sinne des Wortes beseelt. Ein ganzer Abend über den Tod – und selten hat man bei einer Lesung so viel Leben erlebt.
Es wurde geredet, vorgelesen und vor allem viel gelacht. Das Makabre bekam ausdrücklich seinen Platz: Da wurden Verwandte literarisch um die Ecke gebracht, eine Witwe entdeckte im „Entmannt“-Sein sogar etwas ausgesprochen Befreiendes, und der Tod selbst wurde kurzerhand für überschätzt erklärt.
Felicitas Wand, Astrid Ann Jabusch, Susanne Danowski und Abini Zöllner näherten sich dem Tod auf sehr unterschiedliche Weise – mal böse, mal zärtlich, mal nachdenklich, mal mit ziemlich schwarzem Humor. Gerade diese Mischung machte den Abend so besonders. Nichts daran war pietätlos. Im Gegenteil: Vielleicht kann man über den Tod gerade dann besonders gut sprechen, wenn man ihm für ein paar Stunden seine Schwere nimmt.
Und vielleicht war es gerade an diesem Ort besonders schön zu erleben, wie wenig es manchmal braucht, um einander zu sehen. Ein Raum voller Menschen, die zuhörten, mitgingen, lachten – und etwas vor Augen hatten, dass die Autorinnen nicht besser hätten einfangen können. Das Publikum verfolgte den Abend mit Vergnügen -auf und vor der Bühne wurde oft geschmunzelt und viel gelacht.
Und dann war da AnniKa von Trier mit ihrem lindgrünen Akkordeon. Mit ihren Liedern, ihrem Sprachwitz und ihrem wunderbar schrägen Blick auf das Leben verband sie die einzelnen Lesungen so selbstverständlich miteinander, als hätten Texte, Musik und Lesung schon immer zusammengehört.
Am Ende musste man feststellen: Der Tod wird tatsächlich überschätzt. Für einen ganzen Abend hatte er die Hauptrolle – und trotzdem hat ihm das Leben ziemlich mühelos die Schau gestohlen.
Schöner hätte es eigentlich nicht sein können.