Andreas Peters - VIER JAHRE KRIEG UND EIN GEDICHT

VIER JAHRE KRIEG UND EIN GEDICHT

 

Sagt etwa ein Poem zum Dichter, warum hast

du mich so gedichtet?

Ist nicht vielmehr Dante Alighieri Herr über

das Wort wie der Töpfer über die Tonerde,

da Vinci über Mona Lisa oder Michelangelo über

das David Monument aus einem Block?

Kann er nicht aus derselben Wortlehm ein

Gefäß herstellen für einen Hymnus oder Humus,

ein anderes für ein Stalin-Gedicht im Auftrag

des Kremls?      

Dichter Elohim, erweise deine Macht über

die Worte des Jähzorns, zur Vernichtung bestimmt,

mit großer Langmut ertragen die Gefäße der Schande,

wegen der Dichte der Gedichte der Dichter der Barmherzigkeit,

zur Herrlichkeit prädestiniert?

 

Menschen werden berufen, die keine Menschen

waren in den Augen der anderen Menschen,

eine Prostituierte wird zur Geliebten, die keine

Geliebte war in den Augen der anderen Huren.

Auserwählt unter vielen tausenden die eine Türkentaube;

dreh dich doch um, Sulamith!

Und sie werden genannt Söhne und Töchter des

lebendigen Gottes zum Ebenbild Jeschaus,

als dem Erstgeborenen von den Toten unter

den Brüdern und Schwestern der Ecclesia**.

 

Sagt etwa ein Bruder zum Bruder, soll ich

meines Großen Bruders, Hüter sein,

auf die Frage auf dem Felde: Wo ist dein Bruder

Abel, lieber Kain?

Ich habe keinen Bruder mehr, da hast du

recht geantwortet, Gezeichneter.

 

24.02.2026

 

Am 4 Jahr des Krieges

Am 1462 Tag des Krieges

 

* grie., die Herausgerufene, Kirche, Gemeinde