Annalisa Hartmann - Ich bin ein Raum aus Angst
Ich bin ein Raum aus Angst
Ich habe Angst, dass meine bunten Wände wieder einheitlich gestrichen werden
Ich habe Angst und zittere
Sie ist eben schon ein alter Raum, man muss ihr das verzeihen, sagt ihr
Doch mein Zittern ist keine Schwäche
sondern Leidenschaft
mein Herz
für dich
Ich habe Angst, dass du mich nicht mehr siehst
Ich will nicht eitel sein.
Ich habe sie gespendet, meine Haare,
für Menschen, denen keine eigenen mehr wachsen.
Weil sie Verbrennungen erlitten haben.
Siehst du jetzt?
Ich kann mich nicht mehr verstecken.
Ich gebe Raum-
und er breitet sich aus
wächst
unkontrollierbar
manchmal wie eine Decke
über meinen Kopf
Ich frage meine Kinder, wovor sie sich fürchten.
Sie sagen: Nein,
wir wissen nicht.
Ich frage mich.
Ich sage:
Ja, ich weiss:
euch zu verlieren.
Fürchte Abriss.
Von meinen Liebsten
Ersetzt.
Vergessen.
Ich fürchte, dass meine Liebe als Sprache verblasst unter allen anderen Sprachen.
Und ich ersticke.
Unter der Decke, die ich mir nur einbilde.
Dass der Raum dann neu erstrahlt.
Und ihr feiert – ohne mich.
Und ohne eine Lücke.
(aus ihrem in Planung befindlcihen Band 'Werkstatt des Atems'