Cristoph Katz - Leise bricht die Nacht herein
Leise bricht die Nacht herein
Leise bricht die Nacht herein.
Der Tag vergeht, es naht Vergessen.
Alles Ungemach wird klein.
Es scheint, wir waren zu vermessen.
All das Glück, das uns verloren schien,
das finden wir jetzt in des Dunkels Falten.
Wir schlummern wie in Kinderzeiten hin
und hoffen, irgendjemand wird uns halten.
Unbemerkbar spielt der Wind
in Spinnennetzen sachte Harfe.
Wir, die tief in Träumen sind,
wir harr’n der Zukunft noch als Larve
und ahnen selber nicht, was möglich ist,
solange wir uns an kein Rätsel binden.
Ach, man behält ja nur, was man vergisst,
und kann nur im Verlieren wiederfinden.
Man glaubt, die Stille sei nur da,
um nach des Tages Last zu ruhen.
Doch was die Stille uns gebar,
hat nichts mit Müßiggang zu tun.
Denn innerlich sind wir auf Wanderschaft,
auf Sternenschuhen hin zu neuen Zielen.
Nur eine and’re Arbeit schafft uns Kraft
und lässt uns wieder einen Ausweg fühlen.
Wir steigen auf den Leitern hoch,
die Töne an das Dunkel lehnen.
Und aller Kummer schwindet doch,
wenn wir die Wirklichkeit ausdehnen.
Ja, alles hängt oft an dem Hintergrund,
scheint heute hoffnungsvoll und dann vergebens.
Wir müssen immer weitergehen und
so bleibt es wohl für alle Zeit des Lebens.
Bricht es dann an, das Morgengrauen,
sind wir noch da, wo wir einschliefen,
doch jetzt mit neuem Selbstvertrauen
aus uns’ren unbekannten Tiefen.
Und wieder wagen wir den nächsten Schritt,
wir, die kaum jemals stehen bleiben können.
Die Engel uns’rer Nächte kommen mit,
auch wenn wir sie bei andren Namen nennen.