Dieter Krenz - Die Kinder und das Wünschen - 30 Jahre nach der Pandemie

Erzähl du jetzt von deinem größten Wunsch, bat Anne den Heiner.

Ich weiß gar nicht mehr, was ich mir gewünscht habe, nuschelte er.
Kein Problem, sagte K., holte aus dem Bücherschrank ein dünnes Büchlein, das mit marmoriertem Papier eingebunden war, und blätterte darin. Heiner, du hast dir damals nichts gewünscht. Du warst der Meinung, dass Wünsche sowieso nicht in Erfüllung gehen.
Richtig!, erwiderte Heiner. Wünsche sind Quatsch. Ich halte mich lieber an meine Projekte. Ihr müsst nämlich wissen:  ich bin Architekt geworden - aber keiner für so billige Mietskasernen.
Also für Leuchttürme der Architektur?, warf Jakob ironisch dazwischen.
Richtig, fuhr Heiner fort. Meine Spezialität ist der Bau von Museen, Konzerthäusern und Sportstätten. Das sind Projekte, die mit Wünschen  nichts zu tun haben.
Aber, meinst du nicht, dass am Anfang von jedem Projekt ein Wunsch steht?, gab Jakob zu Bedenken.
Da wusste Heiner nichts zu antworten.