Heide Marie Voigt - Jakobsweg - Friedensweg (in der Autorenkorrektur)

Heide Marie Voigt
Jakobsweg –
Friedensweg
Geest-Verlag 2026

Grafiken und Aquarelle 
von der Autorin

ISBN 978-3-69064-552-2

75 Seiten, Format 23x21 cm

2006. Meine erste Wanderung „Jakobsweg“ ist ein Notbehelf:
Ich bin Französischlehrerin, verrentet – habe den Schreibtisch geräumt und verkauft, habe Zeit zum Reisen. Allein? Wandern in der Provence auf eigene Faust? Hotel und Badestrand in Collioure? Ferienwohnung mit Miniküche in den Cevennen? Wieder allein ...?
Ausweg ist Wandern von einer Herberge zur anderen mit Wanderführer in der Tasche. Allein ist man da nicht.

Was braucht man für sieben Wochen? Ich packe kein Tagebuch ein, nur einen kleinen Skizzenblock. Aquarellpapier und Farben. Wie alle Anfänger habe ich zu viel im Rucksack – und meine Sorge: Finde ich den Weg? Im Pilgerempfang in Le Puy verabrede ich mich mit einer erfahrenen Pilgerin. Nach den ersten fünfzehn Kilometern – zu schnell! zu viel Gerede! – finde ich im dicht besiedelten Schlafraum keinen Schlaf, all meine Zellen spielen verrückt: „Hier passiert etwas, das kennen wir nicht!“
Der nächste Tag – allein, im eigenen Rhythmus: Wald ... ein Pferd … ein Teich … der Weg findet sich.
Sieben Wochen später: Letzter Tag in St. Jean Pieds de Port, Abschiedswanderung bis Orion – Berge in der Herbstsonne, Schatten und Licht – glücklich. Also war mein Leben glücklich bis hierher.

Der Weg hat mich eingefangen: Pilger im Mittelalter gingen von dort, wo sie zu Hause waren!
2007 schließe ich meine Haustür ab und gehe mit Rucksack durch Kattenturm, meinen Stadtteil in Bremen, Richtung Barrien. Vier Wochen später gehe ich über die Rheinbrücke zum Kölner Dom.
2008 zeichne ich die wehenden Fahnen in der Einkaufsstraße von Köln – und komme – humpelnd! – sechs Wochen später an in Taizé.  
2009 gehe ich von Taizé bis Pamplona – acht Wochen – wieder kein Tagebuch, aber Gedichte:
jeden Tag fünf Zeilen – deutsch und französisch:
Ich gehe – ich begleite meine Füße mit Worten im Kopf – was be-wegt mich, heute? –
jetzt – hier – ICH – Worte:
das Innere Ausland: Wer bin ich?