Jessica Heister - Utopie
Jessica Heister
Utopie
Täglich frage ich mich, in was für einer Welt wir leben.
Was kann ich tun und was muss ich geben,
um Menschen zu helfen, die Erde zu trösten, um Pflaster zu kleben?
Wir alle kleben Pflaster, Tag für Tag,
und auch wenn das gut ist und ich irgendetwas tun mag,
reicht das nicht, lange nicht.
Die Wunden sind tief. Sie bluten – reißen immer weiter auf.
Wir streuen Salz hinein, ohne einen Blick darauf.
Mit verschlossenen Augen laufen wir durch die Welt
und Geld ist alles, was zählt.
Alles so einfach, Sorgen um nichts –
Du hast Kritik an mir? Sag, wofür hältst du dich?
Doch ist es das, was wir brauchen, worauf die Erde weinend wartet.
Dass es endlich einer in die Hand nimmt und die Rettungsmission startet.
Und es gibt sie schon, Held*innen still und laut:
Sie kämpfen und kämpfen, auch wenn keiner an sie glaubt.
Doch die Masse schweigt.
Ein anderer wird’s ändern, eine andere wird’s übernehmen.
Glaubst du wirklich, du bist kein Teil im System?
Jeder ist schuld, jeder ist ein Teil.
Manchmal getroffen und manchmal der Pfeil.
Sag mir, warst du schon einmal Opfer von Gewalt?
Gewalt ist stark, sie ist laut, sie ist kalt.
Wurdest du beschimpft und geschlagen?
Bist ins Visier geraten?
Vielen geht es wie dir.
Auf so vielen Weisen und so ging es auch mir.
Wir alle hassen dieses Gefühl und doch
behandeln wir andere viel schlimmer noch.
Wir Menschen, wir kämpfen, wir schlagen, wir treten,
wir führen Kriege, wir schreien, verbreiten Hass und Raketen.
Wir grenzen aus, vertreiben Menschen
und ziehen immer wieder neue Grenzen.
Und doch gibt es sie, die Hoffnung, sie tritt hervor.
Sie wohnt in uns und steigt und steigt empor,
die Hoffnung auf Gutes, die Hoffnung auf Glück,
die Hoffnung auf Frieden kehrt zurück.
Es sieht nicht immer gut aus für die Welt,
uns treibt das Gefühl, dass alles zerfällt.
Doch weißt du, ich bin Utopistin.
Meine Wünsche für die Welt bilden lange Listen.
Doch eigentlich will ich nur eins:
Liebe für das Leben,
für Tiere, für Menschen, es wird genug für alle geben.
Meine Utopie, ich sehe sie klar.
Und weißt du, auch du bist da.
Ich freue mich auf dich und auf unsere Zeit.
Ich warte hier und bin bereit.
Überquere die Schwelle, die die Welten trennt.
Sie sind glasklar meine Träume.
Wir gehen Schritt für Schritt und reißen sie nieder, die Zäune.
Die Sonne, sie scheint, wenn auch nicht immer zu sehen,
du fühlst die Wärme in der Brust, in deiner Seele, deinem Leben.
Und wenn du glaubst an Gott, Buddha, Allah,
bin ich bei dir und glaube fest an DICH. Wirklich. Ja.
Reiche mir nicht deine Hand, reich mir dein Herz,
ich nehme auch deine Sorgen, deine Last und deinen Schmerz.
Denn gemeinsam, weißt du, ist das Leben leichter.
Ballast ist gemeinsam wirklich besser zu meistern.
Doch utopisch lässt sich doch immer viel sagen.
„Was kann ich denn nun wirklich machen?“, wirst du dich fragen.
Du denkst sicher, in Frieden zu leben wäre sehr schwer,
und leicht ist es nicht, doch jeder macht nur einen Schritt mehr.
Wie wäre es mit einem Lächeln, einem Gespräch, einem Hallo?
Eine Antwort bekommst du sowieso.
Du trägst doch gute Gedanken in dir,
dann verschenke doch ein paar, vielleicht für ihn oder für sie?
Menschen sind es wert, mit ihnen zu sprechen,
Schubladendenken ist einfach, doch wird den Hass nicht brechen.