Julia Meisinger - Diese Seite vom Fenster (Literatur in schwierigen Zeiten)
Julia Meisinger
Diese Seite vom Fenster
Wolken ziehen weiter, doch steht die Zeit.
Auf den Straßen ist es nämlich still.
Der Schutz juckt, küssen darf ich Liebste nicht.
Dabei lieb ich doch so gern.
Einsam ist es in der Zelle aus vier Wänden, mit Bildern behängt,
alle paar Minuten aus langem Weilen den Staub neu abgewischt.
Starre ich nur nach draußen, dann nur durch Rahmen.
Klopfe ich, klopft keiner zurück.
Monoton schaue ich weiter, verwische mich selbst
und male den Schmollmund mal grün.
Ich wollte das schon immer mal tun.
Vorgeklebtes Plastik lässt sich aber nicht sehen,
gucken kann eh niemand.
Also auch die Haare grünlich tönen.
Als Pflanze darf ich noch nach draußen.
Anpassen kann ich mich nur schlecht.
Neben dem Sofa verstaube ich im Topf.
Keine Liebsten da, mich zu polieren.
Der Rest verstaubt wohl auch.
Anpassen tun alle sich nur unwillig.
Die Luft bleibt draußen.
Es wird stickig, ganz allein.
Aber auf der Straße fährt wer vorüber, mit Megafon.
Will die Fenster offen haben.
Das Sofa töpfle ich dahin.
Die Nachbarn klopfen plötzlich.