Thalia-Anna Hampf - Wo kommen all die Wünsche her

Wo kommen all die Wünsche her

 

Du hast mich einmal gefragt, ob ich mich je wie eine Königin gefühlt habe.
„Nur einmal“, habe ich gesagt, „da habe ich einen Wimpernkranz getragen.“
„Das zählt nicht“, hast du gesagt, „weil das ja alle tun.“
„Ja eben“, meinte ich und dann haben wir sehr lange nichts mehr gesagt. Ich schaue dir oft sehr lange in die Augen und frage mich, wie egoistisch es ist, etwas anzusehen, worin man sich auch immer ein bisschen spiegelt. Heute tragen meine Augen wirklich schwere Ringe und ich fühle mich wieder geschmückt. Vor allem, wenn dein Finger sie nachfährt und an meiner Schläfe eine Ruhepause macht. Zum Nicht-Schlafen-Können liege ich dann auf der Seite, drehe mich auf die andere und alle Gedanken rieseln, nach einer Sekunde Stille, durch mein viel zu großes Hirnsieb.
„Erst wenn mir die Wünsche ausgehen“, sage ich, „reiße ich mir alle Wimpern aus. Erst dann bin ich keine Königin mehr.“
Aber du schläfst schon lange.