Gedicht des Tages

Dieter Wöhrle - Schlicht gemein (Gedicht des Tages)

Schlicht gemein

Er war nervös. Schon morgen war das Interview
für seinen Traumjob. Sich in Form zu bringen nun,
erschien ihm sinnvoller als nur sich auszuruh´n:
Wer sich verausgabt, spürt nicht, wo ihn drückt der Schuh.

Das Gym war voll von tätowierten Muskeln, Schweiß.
´Ne Dame trug Tattoos am Hals und im Gesicht,
ansonsten grinste sie und wirkte geistig schlicht.
Doch Bizepswucher zeigte ihren Trainingsfleiß.

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Elisabetn Lichter - Im Flüchtigen (Gedicht des Tages)

Im Flüchtigen

Neben dem Mann
angeleint mit gesenktem Kopf
trottet der Hund

Befreit das Tier
im brackigen Wasser ein Bad
Spuren setzen die Pfoten
deutlich dann schwach dann nicht mehr

Die Fährte verblasst
verdunstet das Zeichen
ein Hund von dort lief er
wohin

Im Flüchtigen eine Berührung
Spuren dass sie vergehen
sie waren sie sind
auf dem Weg

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erich pfefferlen - nach so vielen jahren (Gedicht des Tages)

 

Nach so vielen Jahren

steh ich dort unten
beim Forellenbach wieder
an unvergessener Stelle
dem Karlshof nah
und lege die Hände
wie damals
beim Schulwandertag
als siebenjähriger Bub
auf die Rinde
umarme
den gewaltigen Stamm
der Kastanie

Du lebst noch
das ist
wie ein Wunder
nach so viel Toten
und schrecklichen Taten
seither in dieser Welt
fast unverändert

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Melanie Michels - Ein kleines Mädchen (Gedicht des Tages)

 

 

 

Ein kleines Mädchen

macht kleine Schritte

fällt und weint

steht auf

lernt zu laufen

greift nach der Sonne

verbrennt sich die Finger

kühlt sie im Wasser

fällt hinein

hört auf zu atmen

lernt schwimmen

kriecht ans Ufer

läuft auf dem Boden

durch Scherben

wäscht das Blut ab

mit Wasser

fällt hinein

und ertrinkt

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