Allgemeine News

Rainer „Reno“ Rebscher - LUCIE (Sonett am Donnerstag, 04.05.2023)

Rainer „Reno“ Rebscher

LUCIE

Lucie wollt ein Vogel sein
ganz ohne Wiederkehr.
Über dem Tränenmeer
schien alles friedlich und klein.

Lucie wollt ein Vogel sein
und hat nichts preisgegeben.
Den letzten Schrei nach Leben
schrie sie ganz allein.

Lucie war gerade sechzehn Jahre.
Unter ihr der Hinterhof war leer -
zu spät um zu verzeihen.

Herbstwind riss gen Himmel ihre Haare.
Krähen schrien - der Körper war zu schwer
für einen Strand aus Stein.

Jens Wohlkopf - Halb (Sonett am Donnerstag, 04.05.2023)

Halb
 
Halb ein Mensch, halb ein Tier,
Halb von mir und halb von Dir.
Halb ein Ochs’ und halb ein Stier,
Halb von dort und halb von hier!
 
Halb geboren, halb gewesen.
Halb Fleisch, halb Fisch,
Halb Stuhl, halb Tisch.
Halb erkrankt und halb genesen.
 
Halb gehört und halb gelesen,
Halbe Theke, halber Tresen:
Halb geschüttelt, halb gerührt.
Halb geglitten, halb geführt.
 
Halb nur wahrgenommen!
Halb nur im Leben angekommen!







 

Karl Johann Müller - Aufwind (Sonett am Donnerstag 04.05.2023)

Aufwind

Schon müht ich mich zum Aufstehn schnell und gab mich fort
vertraute diesem Geist, von dem du mir geschrieben
der unter meine Flügel Aufwind hingetrieben
der mir so nah war bald schon wie ein Heimatort

So stieg ich eilends hoch und gab mich hin dem Flug
auf deiner Geistes Welle war der Aufwind groß
verließ die kleinen Krumen auf des Mutters Schoß
ich sah mich angstfrei fliegen mit dem Kranichzug

Als hätt der Wind aus Furcht sein Wehen ganz vergessen
so lahmten meine Flügelworte unterdessen

Frank Baake - Baudelaires Regenschirm /Sonett am Donnerstag 04.05.2023)

Baudelaires Regenschirm

Grabgeläut wirft seinen Schatten
schwarz wie eine Verbrechensnacht,
ehrfurchtsvoll verenden Ratten,
Sehnsucht reift zu tiefem Schacht.

Noch Rouge am Rand stürzt eine Tasse
die Fassade hinab aufs Trottoir,
ein Wagen rast durch eine Gasse,
die Liebe – spiegelnd et noir…

Die Wimper fiel, süß und gelogen,
Mechanik trägt ein dunkles Tuch.
Ein abgebrochner Regenbogen

gibt der Halbwelt seine Klänge,
und in des düstren Nichts Gestänge
hält sich Geflüster wie ein Fluch!

Achtung: Erinnerungslesung mit Lisette van Vlijmen am Montag 8. Mai um 11.30 Uhr im Gymnasium Antionianum Vechta

Aus organisatorischen Gründen verlegt werden mussten die Montaglesungen von Lisette van Vlijmen. Statt am 9.00 und umm 11.00 Uhr im Gulfhaus Vechta, finden die Lesungen nun um 11,30 Uhr in der Aula des Gymnasiums Vechta statt. Auch Einzelinteressenten sind herzlich zur Lesung eingeladen.

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