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Marlies Kalbhenn - Ausknipsen (Sonett am Donnerstag, 6.04.)

Ausknipsen
Marlies Kalbhenn


Ausknipsen müsste man’s können, das Denken,
vor allem des Nachts, ja: vor allem dann.
Da man es nicht kann, die Gedanken lenken
auf Gutes, das war und das wird – irgendwann.

Doch leider gelingt auch das Lenken nicht immer.
So wälzt man im Bett sich und grübelt und grübelt,
ob’s besser bald wird – oder immer noch schlimmer?
Der Schlaf, unser Freund einst, das Grübeln verübelt.

Er kommt, wenn er kommt, zu spät, geht zu früh,
macht häufige, immer längere Pausen.

Sönke Zander - Analoger Trost (Sonett am Donnerstag 6.04.)

önke Zander

Analoger Trost

Ach, ich versteh die neue Welt nicht mehr.
Weil die fast nur noch digitalisch spricht,
und Digitalisches versteh ich nicht.
Und dabei liebe ich die Welt so sehr.

Und auch die Welt kann mich nicht mehr verstehn.
Ich finde zu ihr nicht den Zugangscode.
Und dabei ist sie doch so sehr bedroht.
Ich kann nichts tun, nur stumm daneben stehn.

Vielleicht leb ich auf Erden schon zu lang,
und es ist Zeit, mich hinweg zu begeben.
Doch jetzt lausch ich erst mal den Vogelsang

Markus Fegers - Garstiges Ostersonett (Sonett am Donnerstag, 6.4.)

Markus Fegers
Garstiges Ostersonett

Osterhase, Osterhuhn
haben derzeit viel zu tun:
Eier legen und bemalen,
ob nach Mustern, ob nach Zahlen,

für die Großen mit Likör
(dass ihr Leben nicht so schwör …);
rasch die Werke gut verstecken,
zwischen Büschen, Sträuchern, Hecken –


denn, so sagt ein alter Brauch:
Tun’s die andern,
tun wir’s auch!

Krieg und Elend, Weltenlauf?
Ganz egal:
Wir scheißen drauf!

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