Allgemeine News

Cordula Scheel - In der Dämmerung

In der Dämmerung


Die Fledermäuse im nahen Kirchturm
gibt es nicht mehr
nicht ihre gewagten Sturzflüge
in der blauen Stunde
wenn die Gedanken wandern
und der Wind auffrischt

In seinem Atem
bist du gekommen für eine Weile
sehe ich dich zwischen den Bäumen
bei der Pflaumeniris
dein flacher Schatten
vergeht mit der Sonne

Ab und zu der leise Wind
der uns einfing
 

Stephan Zwerenz, Synthetische Verbindungen

Stephan Zwerenz, Dresden
Synthetische Verbindungen

Menschen starren
auf schillernde Tempel
handtellergroß
bewusstseinslos
Formalästhetischer Klassenkampf
im Einmachglas
Kybernetische Leichtbauweise
der Gesellschaft
Wir formen Menschen
zu Bauklötzen
fügen sie in Leerstellen ein
im Glauben
an den Fortschritt der Menschheit
Alternativlose Handlungen
Zwangsjackenmentalität
und ohne gesellschaftliche Werte
ohne Perspektiven
Wir beschwören
eine Tonne Schweinebäuche

Antonia Uptmoor, Auburn



He appeared. Out of nowhere, he appeared.
His face, so full of rage,
His eyes, so wide with hate.

There was a strangeness to the situation.
He appeared.
He shouted.
He threatened.

There was a beauty to his looks,
Genes, so overshadowed by the violence of his self.

He appeared.
He mocked.
He killed.

Almost.

The rage, its flames spread over.
She took a step.
Left the circle of watchers behind.

The kindness in her eyes had left for fury.

Manfred Schwab - Nächtliche Bahnfahrt nach Polen

Manfred Schwab

Nächtliche Bahnfahrt nach Polen
(für Krystyna Szlaga)

Die Verladung in Nürnberg klappt reibungslos
Mit dreihundert Leuten vollgestopft
Männern Frauen Kindern
verläßt der Sonderzug pünktlich
die Reichsparteitagsstadt

Irgendwann in der Nacht
werden die Pässe eingesammelt
irgendwann in der Nacht
Grenzen passiert
Neben mir der fremde Mann
röchelt und stöhnt im Schlaf
Die Kinder atmen ruhig
Irgendwann durchkämmen
Uniformierte den Zug

Ausschnitt aus: OLaf Bröcker: Der Block an der Bahn. Roman über das KZ Vechta

„Na komm!“ Die beiden Männer überquerten die Schienen und gingen schweigend am Bahnhof vorüber. Wie abgesprochen blieben beide vor dem Alten Gymnasium stehen und blickten in die Richtung, in der sie beide oft Häftlinge geführt hatten. Bramlage hörte, wie Westerheide tief aufatmete. Wieder durch-fuhr ihn der Neid. Das muss der Erich nun auch nicht mehr machen, dachte er. Die beiden Männer schau-ten sich an, dann gingen sie weiter in Richtung Adolf-Hitler-Straße.
„Sollen wir … sollen wir außen herum gehen?“ Westerheides Stimme klang unsicher.

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