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Norbert Büttner - Letzter Kriegsmorgen (zum Antikriegstag)

Letzter Kriegsmorgen                                                                                                                                                                                  
 
                                                                   

Barbe Maria Linke - Um Frieden haben wir oft gebetet und Der Zauberer (zum Antikriegstag)

Um Frieden haben wir oft gebetet

Gewitter überm See
tausend blitzende Kegel
Tarkowskis verbotene Zone

Tritt näher heran!

Diese Geschosse
töten nicht
Sie sind
reines LICHT

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Der Zauberer

Es klopft und klopft
aus Zweigen
aus der Baumkrone
Klopft es
auf dem Dach?

Da ist es wieder
tack tack tack
ohne Ende
tack tack tack

Dann offenbart es sich

Es ist der Tänzer
mit der Leier
Er entzündet   
das LICHT

Helmut Blepp - Mein heimliches Lied (zum Antikriegstag)

Mein heimliches Lied 

Nackt auf dieser Pritsche 
den Kopf von Tritten wund 
die Hände zerschlagen 
singe ich mein lautloses Lied 
von der Nacht ohne Tag 
der Angst beim Erwachen 
den endlosen Stunden 
voller Schmerz in den Schlaf 

Doch besinge ich auch 
die Rückkehr von Mutter Sonne 
lachende Kinder in den Gassen 
Frauen mit wallendem Haar 
die Feigen und Brot verteilen 
und fröhlich tanzen vor den Brunnen 

Ganz tief verberge ich mein Lied 
am Grund meines Herzens 

Philipp Létranger - wehrhaftigkeit (zum Antikriegstag)

wehrhaftigkeit

es war das jahr
in dem wir eine neue sprache lernten
ihr klang war metallisch und hart; wörter 
gruben sich tief ins land.
wir lobten sie
für die chirurgische präzision
mit der sie die wirklichkeit trafen

und was für ein glück 
es gab alte bestände
schrille vokale
das ächzen des gerölls
wenn wir beim frühstück 
trümmerteile kauten

all das wurde uns geläufig; hybrid
war plötzlich kein fremdwort mehr
reichweitennachteile in aller munde
man sagte uns 

Hans-Hermann Mahnken - Jahrgang 55 und Klagelied (zum Antikriegstag)

Jahrgang 55 

Die Krüppel des Krieges hab ich noch geseh`n: 
den schweigsamen Nachbarn mit hölzernem Bein, 
das schnallte er an, und das knarzte beim Geh´n. 
Im Suff sang er Lieder von Ehre und Sieg.

Verschlossene Väter hab ich noch gekannt,
verwundet im Innern und sprachlos allein,  
in ihnen war etwas zu Asche verbrannt, 
Besiegte und Opfer und Täter zugleich. 
    
Ruinen und Trümmer hab ich noch erlebt, 
und Mütter erzählten von Hunger und Not, 
von Bomben, von Angst, als die Erde gebebt, 

Marlies Kalbhenn - Gedichte zum Antikriegstag

Fünfundvierzig im Februar

Marlies Kalbhenn

  

Der Teufel war los in Aschaffenburg

fünfundvierzig im Februar.

Der Krieg, den man später den zweiten hieß,

den zweiten Weltkrieg, am Ende war.

Der Bahnhof: kaputt. Viele Häuser: Ruinen.

Die Trümmer, die Scherben: nichts weiter als Schutt …

 

Auf Scherben reimt sich Verderben

und Sterben! – Doch noch gab der Teufel

sich nicht geschlagen, fiel ihm nicht ein

zu kapitulieren. So hagelten

Jenny Schon - Drei Gedichte zum Antikriegstag

Jenny Schon


Säbelrasseln

Früher half singen
Händehalten
Reden sich zu beruhigen
Friedenspfeife rauchen
Dann wurde die
Diplomatie erfunden
Doch die hilft nicht
Säbelrassen contra
Sanktionen wäre
Es nicht so ernst
Könnte man meinen
Es wären Sandkastenspiele
Aber die Panzer
An den Grenzen sind echt
Es ist unfassbar
Der Mensch lernt nicht


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Blowin’  in the Wind
Bob Dylan zum Literaturnobelpreis


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