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Jenny Schon - An Mariä Lichtmess

Jenny Schon

An Mariä Lichtmess

 
Licht ist jetzt da
Aber keine Amsel
Birken und Kirschbäume gefällt
Für Mietwucher
 
Licht wird leuchten
Aus ihren Fenstern in mein Bett
Mir fehlt die Amsel am Abend
Und nachts die Fledermaus
 
An Mariä Lichtmess
Mitten in meinem Gebet
Kreischten die Sägen
Aufscheuchten die Spatzenkolonie
 
Heimatlos auch
Der Eichkater
Und das Taubenpaar
Kein Gurren im Liebestaumel
 
Storchenschnabel und Margeriten

Sigune Schnabel - Auf meinen Stimmbändern schillert Licht

Auf meinen Stimmbändern schillert Licht

Eine Parze hat mich an die Erde genäht. 
Was sollte sie auch tun.

Der Faden verheddert sich.
Nichts ist zuverlässig 
nach der Geburt.

Ich will herumlaufen, 
aber ich stolpere oft.
Das ist die beste Art zu leben, 
hat Großmutter gesagt.
Sie kennt sich aus. 
Mit Knäueln.
Aus Wolle. Strickt an 
gegen den Wind.

Ich huste, wenn Fremdes i
n die Luftröhre fällt.
Meine Stimme beginnt.

Holger Küls - Vom Fall

Vom Fall   

Woran ich mich erinnere - an den Fehlgriff und an das Fallen. Warum ich im Baum war, weiß ich nicht mehr. Vielleicht wollte ich hoch hinaus. Ich fiel in die Brennnesseln. Ich weiß noch, wie meine Mutter sagte, selbst schuld, und dass es gegen Rheuma helfe. Mehr Trost gab es nicht. Die Brennnes-seln gab es dann zum Mittag. Gewohnheit aus dem Krieg. Indianer kennen keinen Schmerz.
 

Thomas Fischer - Die Gefundenen

Die Gefundenen

Zweig liegt nicht allein
Benjamin und Tucholsky schon

Am Abgrund der Zeit liegen
Die Trabanten wie leblose Steine
Fremd und selbst
Vergessen sind sie als 
Erinnerung äußerlich

Wir öffnen die Hotelzimmertür
Und dort liegen sie in Betten
Erkaltet im Staub unserer Träume
Verkabelt im Humus der Zeichen
Während wir noch dort stehen 
Ihre Körper zudecken
Abschiedsbriefe lesen
Schreitet der Engel der Geschichte
An uns vorbei und hinterlässt nichts

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