Veröffentlichungen

joachim schlichte - gebranntes kind (Gedicht des Tages, gelesen vom Autor)

gebranntes kind scheut das feuer
wer kennt es nicht nur keiner gesteht

ertrunkene liebe wird lediglich nass
wer hegt nicht andere hoffnung oder

sehnsuchtsglaubend irren wir alle
blind in eigenem vexierbild du suchend

ich meinend sogar glaubend
imaginäres visionäres internettiges du

und begreifen nicht die leichtigkeit
der eigenen augen

sehnsucht nicht wahr haben
wollend
bis
verneinend

diese uns gegebene unendliche einsamkeit
tränender tropfender trugbilder

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Melanie Michels: Ein kleines Mädchen (Gedicht des Tages)

Ein kleines Mädchen

macht kleine Schritte
fällt und weint
steht auf
lernt zu laufen

greift nach der Sonne
verbrennt sich die Finger
kühlt sie im Wasser
fällt hinein
hört auf zu atmen
lernt schwimmen

kriecht ans Ufer
läuft auf dem Boden
durch Scherben
wäscht das Blut ab
mit Wasser
fällt hinein
und ertrinkt

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Christiana Goetze - Meine Traurigkeit (Gedicht des Tages am 23. August)

Meine Traurigkeit
Lagert über der Stadt
Zieht die Schleier vor den Mond
Dass er ermattet
Kittet die Dächer zusammen
Zu einem Riesenschild
Und meine lieben Lieder
Wollen nicht aufsteigen
Krepieren in der Kehle
Vor dem ersten Ton

Manchmal noch zittert die Seele
Wie das Mondlicht auf dem Fluss
Draußen vor der Stadt

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Onur Özgen - Aus dem Milieu (Jugendliche melden sich zu Wort)

Aus dem Milieu

Nun habe ich zweimal acht Jahre hier verbracht
Im „sozialen Brennpunkt“ ist es gefährlich
Kurz nach acht?
Kannst du sehen was die Mundpropaganda macht
Es verschlechtert sich mein Heim
Ihr habt es geschafft
Füttert euren Kopf nicht mit Klischees und Ondits
Öffnet die Tür und findet ein Indiz
Und sagt im Stadtbezirk sechs bist du genauso frei
Wie in Stadtbezirk eins zwei oder drei

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Marcel Johann to Berens - Wir sollten froh sein (Jugendliche melden sich zu Wort)

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Wir sollten froh sein

 

Träume sind Wünsche,

die unerfüllt sind.

Träume sind Hoffnungen,

die in uns stecken.

Träume sind Sehnsüchte,

die uns bedrängen.

Träume sind Erlebnisse,

die uns prägen.

 

Es ist egal,

ob es gute Träume

oder schlechte sind.

Wir sollten froh sein,

dass es Träume gibt.

 

Marcel Johann to Berens

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