Anne Abelein, Spaziergang 2050


Anne Abelein, Herrenberg
Spaziergang 2050


Sei Du gegrüßt, bereinigte Flur, blühender Au 
verbleibender Zipfel,
Sei Du Sonne gegrüßt, 
die ihn so sengend bescheint,
Euch auch grüß ich, tosende Winde 
und schäumende Flüsse, 
die unermesslich Euch ausgießt 
bis an den weichenden Wald.
Zweifelhaft, dass sich ein Schmetterling 
wiegte auf schütterem Wipfel 
Und der Lerche Gesang schallt
 höchstens auf YouTube,
Ausgesummt hat die Bien‘, 
doch wuselt‘s auf Klimas geschäftigem Gipfel,
Man lobt über den grünenden Klee 
wachsweichen Beschluss,
Ameisenroboter schwärmen um 
Deiche und Brandschutz-Wälle,
Stückwerk für wenige. – 
Wohl, wer einen ehernen hat.
Sieh, rund um den Globus machen 
angstvolle Krabbler die Flatter,
Weg vom bräunenden Wald
hin zum grünen Gebirg
Flüchten in Flitzern und Nussschalen 
über Länder und Meere
Hin zu olympischen Massiven, 
noch fruchtbar und kühl.
Doch auf Ceres‘ Höh entbrennt 
hitziger Kampf um die Waben,
Mit dem rutschenden Kurs 
stürzen Schutzsuchende ab.
Wut flutet uferlos, 
an den Mandibeln packen den Freund seine
Nächsten, aufstachelt er 
seine Komplizen im Netz,
Man marschiert statt spaziert 
bis aus anschwellenden Sängen
Sich jäh löst eine Drohne; 
schwarz-gelb strahlt
die todbringende Fracht. – 
Ach, trögen die drückenden Träume!, 
löste reizender Streit sich in Anmut nur auf!,
Ach, machten wir kehrt!, 
was hilft ein Alleingang dem irrenden
Wandrer? – Sonne Homers, 
noch scheinst Du uns.