Claudia Helena Dietrich - Roadtrips, Orte, Aventüren - Reiseerinnerungen (im Lektorat)

 

Claudia Helena Dietrich
Roadtrips, Orte, Aventüren
Reiseerinnerungen 

Geest-Verlag 2026

 

Vorbemerkung

Dieses Buch ist kein Reiseführer. 
Einige der genannten Ziele könnten heute nicht mehr bereist werden, zumindest nicht so, wie in diesem Band beschrieben und erzählt. Das hat zum einen politische Gründe. Die Tournee eines freien, linken Theaters durch Russland, wie es in den Wendejahren stattfand, scheint heutzutage kaum mehr möglich und wäre vielleicht auch gar nicht wünschenswert.
Andere Orte, wie die in den Geschichten vom Rainbow Gathering, zeichnen sich aus durch ihre Abgeschiedenheit und die Einmaligkeit des Ereignisses, das sie mit dem jeweiligen Platz verbindet. Möglicherweise sind sie nicht mehr auffindbar oder zur No-Go-Area geworden. 
In der Rückschau bleiben sie jedoch lebendig. Im feierfreudigen Irland beispielsweise, haben die Einheimischen den Jahrestag des Gathering von 1993 noch lange in wiederkehrenden Festen aufleben lassen und zelebriert.

Es ist dies auch kein Buch über Lost Places. 
Ob Matavenero, Santiago de Compostela, Saint-Tropez, der Geirangerfjord, die Route 66, New York oder Tanger – ob Sehnsuchtsort oder Traumroute, eines haben sie gemeinsam: Sie existieren noch heute und sind doch zugleich stetem Wandel unterworfen. Sie wurden besiedelt oder werden verlassen, sie wachsen oder verlieren an Bedeutung. Durch Gentrifizierung und Klimawandel, im Kleinen oder im Großen verändern sie ihr Gesicht und sind manchmal nach Jahren kaum wiederzuerkennen.

Dies ist ein Buch über Reiseerinnerungen.
Das, was eine Reise erzählenswert macht und zur Geschichte werden lässt, sind die Pannen und  Abenteuer, das Fremde, das wir uns vertraut machen, die gemeinsamen Erlebnisse mit unseren Reisegefährten, die Begegnungen am Rande des Weges, das, was wir finden und teilen durch und mit Menschen. Das ist, was bleibt und was die Erinnerung in die Landkarte unseres Lebens einschreibt.
Tatsächlich scheint an manchen Orten die Erinnerung ein übermächtiges Dasein zu führen. Blicken wir nach Tanger im Norden Marokkos. Diese Stadt, deren Geschichte bis weit in die Antike zurückreicht, entwickelt sich heute zu einer modernen Metropole. Dennoch erklingt das Echo vergangener Epochen aus jedem Winkel und pulsiert im bunten Klangteppich der Straßen. Insbesondere die Zeit der Internationalen Zone hat das Wesen, den Charakter der Stadt und die Menschen von Tanger geprägt und die Geschichte der Interzone scheint so gegenwärtig wie das Heute. 
Erinnerungen sind wesentlich für unser Selbst- und Weltverständnis. Doch auch sie können verblassen oder sie verfliegen im Wirbel der Ereignisse.
Um diesem Vergehen zu trotzen, ist dieses Buch geschrieben, als eine Wanderkarte der Erinnerungen, die Orte und Bilder in den Geschichten wieder aufleben lässt und Sie, liebe Leserin und Leser, mit auf die Reise auch in vergangene Zeiten nimmt.