Frank Maria Fischer - Verweigerung des Artensterbens

Verweigerung des Artensterbens

 

„Alles brennt.”

      Buddha

 

„I saw the best minds of my generations destroyed

By madness, starving hysterical naked.”

      Allan Ginsberg, Howl”

 

I.

 

In diesem Sommer

als das Kauen der riesigen Mähdrescher

das wenige dürre Korn niederbrüllte

Als die Vögel aus der Luft fielen

wie Zeichen einer neuen Ära

Als Staub jedes Leben bedeckte

das sich auf den Weg machte

zum Wasser

Als in den Städten die Klimaanlagen dröhnten

Als es süßlich roch nach verendeten Hunden

deren Kadaver in den Gassen

zu Haufen geschüttet lagen

Veränderten wir uns

Veränderte sich die Erinnerung

 

An jenem Tag an dem

mehrere Augenzeugen berichteten

sie hätten mythische Wesen gesehen

halb Mensch und halb Pferd

 

Zentauren mit wütender Miene

die eine Tiefgarage durchschritten

in die sich Menschen und Tiere

zur Kühlung zurückgezogen hatten

während die Kameras über einem Parkdeck

Bilder eines Pferdemenschen aufnahmen

der die Faust in Richtung Beobachter streckte

und uns etwas zu sagen schien das der

Lippenleser später als das Wort „Idioten“

zu deuten sich fast nicht traute

 

An jenem Tag wurden die Wälder aufgegeben

Löschzüge trieben kein Wasser mehr auf

Nur noch Flugzeuge hielten die Hoffnung

sammelten Wasser vom Meer

in ihren Bäuchen aus Stahl

Seesterne, Algen und Fische fielen

vom Himmel

in die gefräßige Feuerbrunst

als könnte man die Flammen

mit Meeresfrüchten besänftigen

als könnten magische Vorstellungen

uns noch erinnern lassen

an die Fiktion dessen

was wir hätten sein können

wenn wir nicht versucht hätten

mehr Tier als Mensch zu werden