"mein herz haus ist noch nicht gebaut" Lesebericht von Philipp Létranger zum Gedichtband von Thomas Weiß "wort findung störungen"

"mein herz haus ist noch nicht gebaut"
 
Lesebericht zum Gedichtband "wort findung störungen"
 
Der neue Gedichtband von Thomas Weiß ist auf leisen Pfoten unterwegs, und wie eine Katze zeigt er auch nicht auf Anhieb, was er im Sinn hat. 
Bereits der Titel "wort findung störungen" zeigt Brüche. "Wortfindungsstörungen", wenn man's zusammensetzt, sind ja nicht nur eine Alterserscheinung. Genauso gut beschreiben sie das Lebensgefühl eines Dichters, jedenfalls an viel zu vielen Tagen. Und das Cover?  Verrät auf Anhieb auch nicht, was der Plan ist: Da werden Türen geöffnet, eine nach der anderen. Weiß man am Ende noch, was man gesucht hat?
 
Brüche werden nicht nur inhaltlich angesprochen. Auch formal bricht der Dichter in vielen Gedichten die Worte entzwei. Doch die Leerstellen zwischen den Worten, den Menschen, der Welt und dem Sinn erweisen sich nicht nur als Zeichen der Gebrochenheit und der Trennung. Sie sind auch Sinnbild für das Schweigen zwischen den Menschen und das Schweigen, das uns alle umgibt. Kann man auch Antwort im Schweigen finden? Eine Frage, die so alt ist wie die Menschheit.
 
Ich habe in den hier vorgelegten Gedichten von Thomas Weiß keine Resignation gefunden: Zweifel lese ich heraus, Trauer und die Furcht, zu verstummen, aber immer wieder auch Vertrauen auf das eigene Herz und den menschlichen Mut.
 
in den kantigen städten
zwischen den häusern aus schlacke
und laut da
 
reden sie
in groß buch staben mit aus 
rufe zeichen in neben sätzen nicht
ohne komma da
 
verstumme ich
auf den punkt
 
Lyrik kann im besten Fall ein Spiegel der gegenwärtigen Welt sein wie hier bei Thomas Weiß. Dennoch zeigt kein Spiegel dasselbe, weil es immer die Seele des Dichters ist, die das Bild aufwirft. Allen Lesern, die solche Lyrik schätzen, und die aufrichtige, leise, unaufdringliche Gedichte mögen, werden große Freude an diesem Gedichtband haben.