Nicoleta Craita Ten’o - Schwalbe

Nicoleta Craita Ten’o
Schwalbe

sah eine barke ohne goldzwirn
den flusse entlang stille haltend
sternenverarmt weißglasig schwankend
du vergaßest den zwanzigsten blick

und die schnecken im grase verwaist
so verwirrt, wassernah pralle ringe
aus der leere pulsierend
in den ecken verwirklichend sich

und der schweiß jenes windes aus süden
hochsteigend, kleinfußspuren im sande
oder ameisenritt – wusste weder vom leben
noch vom sterben ein lied – und du meintest

ich wär eine schwalbe.

 

aus: Waldflüstern

Nicoleta Craita Ten’o
Von 1989 bis 1996 Schule in ihre Heimatstadt Galați. Im Alter von 13 Jahren beendete sie abrupt ihre Ausbildung, und es wurde bei ihr Schizophrenie und Autismus diagnostiziert. Die nun in Bremen beheimatete Autorin, die seit vielen Jahren nicht mehr redet, veröffentlichte insgesamt 13 Bücher, die letzten Romane und Gedichte im Geest-Verlag. Gewinnerin zahlreicher Literaturpreise, u.a. das Bremer Autorenstipendium.