Rudolf Schlabach - Ach

Ach

Die Welt ist niemals fertig. Wie wir 
Auch mühen uns, zu bringen sie 
In einen Zustand der Erträglichkeit, 
Schon morgen zeigt sich, wenn es regnet, 
Dass wieder undicht ist das Dach. Nie 
Endet dieses Reparieren.
Ein Äon geht, er starb an Schwäche,
Und schwache Wesen werden oftmals 
Hingeschlachtet von ihren Feinden,
Die noch jung und rücksichtslos. Es 
Wartet der neue Äon tatendurstig 
Vor der Tür. Er ist beredt wie ein 
Vertreter von Versicherungen,
Der ins Geschäft will. Er malt poetisch 
Aus, was er zu bieten hat, verbirgt 
Geschickt das scharfe Mördermesser.
Wir sind gerührt von den Versprechungen 
Und schließen gerne mit ihm ab, wir 
Brauchen Hilfe ja in allen Lebenslagen. 
In Gottes neuem Haus, so spüren wir,
Ist es so zugig wie im alten. Ach: 
Dieses Einsilbwort sagt oft mehr aus 
Als schöne Sätze einer Bildungsschicht. 
In diesem Wörtchen spiegelt sich 
Das ganze Wissen von Äonen.