Siegfried Völlger schreibt zu 'Wenn der Plastikkbaum stirbt', dem lyrischen Dialog von 14 Autor*innen im Geest-Verlag
Wenn selbst der Plastikbaum stirbt. Gedichte
Herausgegeben von Alfred Büngen
Geest-Verlag 2026
Anthologien sind starke Versucher, Verführer.
Natürlich, das erste ist Cover, Titel, aber wenn man sich einmal entschlossen hat das Buch in die Hand zu nehmen und entdeckt, dass auch der Inhalt passt, dann kann das dazu führen, dass man von einzelnen Autorinnen und Autoren mehr möchte, braucht. Hier geht’s um eine Gedichtanthologie, der Titel sagt schon viel zum Inhalt.
Wenn selbst der Plastikbaum stirbt. Gedichte
Die Welt und alles, was darin ist und dazu gehört und ihr Zustand wird behandelt, abgehandelt, besprochen.
Schon einzelne Gedichttitel verheißen keine Wohlfühloase:
der traum hat einen riss - Sigune Schnabel
flucht – Philipp Létranger
graue Landschaft – Amanda Wurm
Graue Bäume – Holger Küls
Aber es gibt auch optimistischere Titel:
vom lächeln – Ulrike Marie Hille
An den Sommer – Hans-Hermann Mahnken
Verweigerung des Artensterbens – Frank Maria Fischer
Unter uns – Miriam Bornewasser
Und dann muss man ernsthaft anfangen zu lesen, wenn man noch das Geleitwort von Prof. Dr. Herbert Zucchi wahrgenommen hat, und das Nachwort von Alfred Büngen, aber dafür ist später Zeit.
Gedicht haben schon etwas dränglerisches und wollen jetzt gesehen werden.
Freilich Düsterkeit ist unvermeidlich, aber es ist eine Versammlung von Dichterinnen und Dichtern die nicht in gänzlichem Dunkel lebt.
Es gibt so viel unterschiedliche Haltungen und Aussagen und Vermutungen und Formen – eine Freude zu sehen, wie die Gedichte leben und keine Ruhe geben.
Eine Besonderheit ist, dass immer zwei, Dichterin und Dichter, mehr oder deutlicher aufeinander bezogen, die Kapitel füllen.
Eine interessante Konstruktion, aber würde das einzelne Gedicht nicht bestehen hilft ihm auch die Nachbarschaft nicht.
Es kann gut sein, dass das eine Anthologie ist die dazu führt, dass man von einzelnen Autorinnen und Autoren mehr braucht, mindestens zwei sehe ich schon voraus.
also los: Probieren und Kraft und Fülle dieser feinen Anthologie erleben.