Gedicht des Tages

Wendelin Mangold - Gegen die Wand (Gedicht des Tages)

GEGEN DIE WAND

Ich kann denken,
Was ich will.
Ich kann sagen,
Was ich will.

Um mich herum
Bleibt alles still.

Ich kann lachen,
Wann ich will.
Ich kann weinen,
Wann ich will.

Um mich herum
Ist alles still.

Ich kann leben,
Wo ich will.
Ich kann sterben,
Wo ich will.

Um mich herum
Wird alles still.

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Christl Schmidt-Holländer - Handgehäkelte Pension (Gedicht des Tages)

Handgehäkelte Pension                                                   

Wer kann das mögen?
Die Spitzendeckchen –
die Trockenblumen –  all überall –
bunte Gartenzwerge groß und klein!
Solche Gemütlichkeit
nimmt mir die Luft.
Ich will atmen.
Aber hier steht die Häkelfrau.
Erzählt von Krebs,
Tochtergeschwüren und Enkelsorgen.

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Cordula Scheel - Suchbilder (Gedicht des Tages)

Suchbilder

Sie ziehen durchs Land
nach den Kriegen
Suchkinder Suchväter
Mütter unterwegs

Das Kind im Spiegel
trifft auf Spiegel in ihm
Wolken und Wellen
die Bilder verschwimmen

Strandsand bleibt haften
das Versinken der Schiffe
Eisschollen kein Ort
für ein Kind
mit Katze und Geige

Es wird sie lieben
Chagall und den biblischen Jonas
die Schwebenden
und den Davongekommenen
aus dem Bauch der Finsternis
die tröstlichen Wunder

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Dieter Wöhrle - Ein Soneit: Das Leid mit der Vergänglichkeit (Gedicht des Tages)

Ein Soneit : Das Leid mit der Vergänglichkeit

Sein Leben, sieht er, ist vermaledeit.
Er war mal schlank, doch heute ist er breit
und denkt zurück, nicht wirklich ohne Neid,
an Tage, als er ging im Jugendkleid.

Was er indes nie wurde, war gescheit
und gegen Fettnäpfchen am Weg gefeit.
Doch heute gibt es niemand, der verzeiht,
wenn er noch immer flucht und trinkt und speit.

Vorbei sind Frohsinn, Glück, Gelassenheit,
geblieben sind uns Sorgen, Not und Streit.

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Wolfgang Buchhorn - Ein sanfter Begleiter (Gedicht des Tages)

Wolfgang Buchhorn
Ein sanfter Begleiter

 

Ein sanfter Begleiter

Der Tod ist kein Jenseits
Hinter den Bergen und Flüssen
Es gibt kein vertröstendes
Später vielleicht
In der Zeit
Wegschauen und hoffen
Dass er nicht trifft
Nicht dich
Nicht  mich

Er trifft ja immer
Schon jetzt
Ist Teil von mir
Seit Anbeginn
Und
Wächst mit mir
Tagein tagaus
Für kurze Zeit gewährt er mir
Die Ahnung eines Sinns

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Jacek T. Zielinski - Der Fremde (Gedicht des Tages)

Zielinski, Jacek T. - Mein Zahir. Gedichte

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

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