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Frank M. Fischer - Die Suche nach Wald (in Deutsch und Englisch)

Die Suche nach Wald


Wenn alle Blätter gefallen sind
Steht der Wald kahl und leer
Und schutzlos als hätte jemand
Im kalten Raum die Decke weggezogen

Doch wir täuschen uns
Die Bäume wissen was sie tun
Ihre Zeit ist uns nicht vertraut
Ihr Schweigen sagt dir nichts

Daher tust du gut daran
Ebenfalls zu schweigen
Wenn du ihn durchschreitest
Und dem Geheul der Winde lauschst

Wenn ich den Wald suche
Schließe ich die Augen, er findet mich
Schließt sich um mich
Bevor ich es bemerke

Frank M. Fischer - Aus seinem Essay über die Rezeption von Lyrik aus seinem neuen Band

"Gerade das traumatische Zeiterleben, der Kampf um eine gelingende Kohärenz der Zeit, führt Nelly Sachs zur Dichtung, die direkte und unmittelbare Gegenwärtigkeit der Ansprache, das Fragment, das wie ein Gebet diesen Augenblick beschwört und um etwas bittet.
Worum geht es also in der Klippenexistenz des Gedichts? Letztlich um die Vertrauensfrage, um die Bindung zwischen den Menschen durch die Sprache. Es gibt sie nicht ohne das Risiko des Verlusts. Mehr geht nicht. Mehr gab es nie. Mehr wollte ich nicht sagen."

 

J. Monika Walther - Reisende (aus ihrem neuen Band: Nachtzüge)

Reisende

Gesichtshälften
Verrutschte Augenhöhen
Blick links rechts
Alles da: Nasen Ohren Lippen
Koffer Tasche
Kniee aneinanderreibend
Knöpfe vorm Bauch
Enge Gürtel
Knitter und Bügelfalten
Tür auf Tür zu
Fahrausweise Durchsagen
Kaffee Pappbrötchen
angehängter alter Kaiserwaggon
Landschaft draußen
Schmutziger Glasglanz
Alles da: Tränenregen Täler Berge
Grau verwoben Wolken
Schiefer und Pflaumen
Augenwinkelblicke
Eingerahmte Bilder
Wiesen Kühe
Wälder Wege

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