Allgemeine News

Wolfgang Bullerdiek - Leere Gesichter

Leere Gesichter
(in der nächtlichen Straßenbahn)


Leere Gesichter,
aber voll von Wut.
Wer, wer hat
euch so gemacht:
so kalt, so leer,
so roh,
so jung und fast schon
tot?

Ihr, ihr ward nicht immer so.
Das kann nicht sein.
Es darf es nicht!

Irgendwas war da, irgendwas.
Irgendwann und irgendwo:
von Freude, Liebe
und von
Freundlichkeit,
irgendwas.
Wann ist denn das
gestorben und
durch wen,
durch wen?

Lärm, Schmutz
und
cooles Gehabe,

joachim schlichte - verlorenes sonett

ver
loren
es sonett


an meinem kot
könnt ihr mich erkennen
mit meinem kot
rückt mir euer galgen näher

ich gegen übrig
ge bliebenen collagen intel
i gen ter überschriften
inside

du herta hast mut mir gemacht
schnippselnd
weiter zu suchen zu fragen

wie nur konnte
der kleine keim im salat
menschheit über leben lassen
 

Rudolf Schlabach - Der leere Gott

DER LEERE GOTT


Es gibt Bezirke noch in unsern Herzen,
die für Vernunft ein weithin fremdes Land.
Wir setzen auf Magie bei vielen Schmerzen,
die Fetische sind längst noch nicht gebannt.

Wer Gott begehrt, braucht ihn auch für die Sinne,
den Gott, der spricht, der Leben ist, Gestalt,
der Wunder tut, dem wohnt ein Zauber inne,
der zu ergreifen ist als fester Halt.

Was gilt ein Gott uns, den wir nur noch denken?
Wir können solche Kopfgeburt versenken,
weit draußen, wo besonders tief das Meer.

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