Gedicht des Tages

Jessica Schoo - Fünf Lose im Sonderangebot (Jugendliche melden sich zu Wort)

 

Glück ist für mich, wenn man Liebe geben kann, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
Glück ist für mich, wenn ich weiß, da ist jemand, der mir zuhört, mich aufmuntert oder der mit mir weint, wenn es nötig ist.
Glück ist für mich, wenn ich Kinder sehe, die spielen, lachen und toben können, so wie es ihnen beliebt.
Glück ist für mich, wenn ich allein sein und nachdenken, lesen oder schreiben kann.
Glück ist für mich, wenn jemand glücklich sein kann, nur weil er ist, was er ist.

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Flörsheim, Karin - Ein langer Weg (Gedicht des Tages)

EIN LANGER WEG

Einen langen Weg
Bin ich gegangen
Steinig
Sandig
Dornig

Doch Liebesworte
Sonnenwärme
Blütenduft
Gaben mir die
Lebensflügel

Verschenkt habe ich
Mein blaues Klavier
Meinen blauen Baum
Alt sind die Augen
Der Rücken steif

In meinen Träumen
Bin ich Kind
Im großen
Blumen-Wort-Garten

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Vanja Michailova: Entkommen (Gedicht des Tages)

ENTKOMMEN

Eines Tages will ich entrinnen
und mich verlieren.
Ich will mich zerschmeißen,
mich zerreißen, mich zerfleischen, mich zerbeißen …
Und schweigen! Nichts sagen!

Ich will die Wand durchbrechen
und mich an dem Leben rächen.
Ich will mich einmal verdrecken
und dann … verrecken.

Ich will diese verdammte Zelle –
meinen Körper –
zersägen, zerfetzen, zerfressen
und mich entfesseln.

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Dieter Wöhrle - Neuköllner Romanze (Gedicht des Tages)

Neuköllner Romanze

Neukölln bei Nacht und Schneesturm, Minusgraden:
Der Bus kommt spät in Richtung Hermannplatz,
lädt aus, lädt ein, und bleibt doch überladen
mit Husten, Heiserkeit, Gezänk, Rabatz.

Er fühlt sich unwohl in der Fahrgastmenge.
Dann sieht er plötzlich vor sich ihr Gesicht.
Sie blickt ihn an, doch mitten im Gedränge
schiebt sich dazwischen so ein Schwergewicht.

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Jacek T. Zielinski: Der Fremde (Gedicht des Tages)

 

Zielinski, Jacek T. - Mein Zahir. Gedichte

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

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Uwe Erwin Engelmann - Fahrt mit dem Großen Wagen (Gedicht des Tages)

 

Fahrt mit dem Großen Wagen

Der Große Wagen
hängt im Sommer des Nachts
mitunter in meinem Fenster

Sonnenblumenfeldern gleich
weisen mir seine sieben Rosetten den Weg

Jede Nacht
steige ich dann in seinen Schragel ein
und reise mit ihm nach dahin
wo meine Träume wohnen

Gefahren bin ich mit ihm aber noch nicht
doch hoffe ich immer noch
dahin zu kommen
wohin meine Träume mich treiben

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Dieter Wöhrle - Vier Wochen Lebensglück (Gedicht des Tages)

Das Leben Kurts war leer und öd.
Er ging den Leuten auf die Pelle.
Sie fanden auch sein Hobby blöd:
die neuen Eisenbahnmodelle.

Er wohnt´ bei Muttern, Hinterhaus.
Das konnte kaum ihn inspirieren.
Und abends dann, im „Treff“, bei Klaus,
blieb nur, die Barfrau anzustieren.

Doch plötzlich wie ein Donnerhall
zerstob die triste Langeweile.
Das Leben hatte Sinn: Ein Ball
trieb Kurts Adrenalin zur Eile.

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