Gedicht des Tages

Wolfgang Buchhorn - Zerfließende Bilder (Gedicht des Tages)

 

Zerfließende Bilder

Hinter den Bildern versteckt
Wächst das Hoffen
Der Hunger nach Nähe
Bleibt ungestillt
Vergeht das Leben
Im Rausch von Formen und Farben
Konturlos
Schnell
Ich bleibe fassungslos zurück
Kraftlos
Leblos
Verzehrt von zerfließenden Bildern
Des Abschieds

Taxonomy upgrade extras: 

Wendelin Mangold - Zwischling (Gedicht des Tages)

ZWISCHLING

Zwischen Bleiben
Und Gehen.
Zwischen Später
Und Jetzt.
Zwischen Ernten
Und Säen.
Zwischen Willkür
Und einfach Gesetz.

Zwischen Anspruch
Und Würde.
Zwischen Gottlos
Und Fromm.
Zwischen Nehmen
Und Hürde.
Zwischen Abfuhr
Und einfach Willkomm.

Zwischen Kindern
Und Eltern.
Zwischen Regen
Und Schnee.
Zwischen Trinken
Und Keltern.
Zwischen Ankunft
Und einfach Wehweh.

Taxonomy upgrade extras: 

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 

Sie spenden nur

den Beifall.

Taxonomy upgrade extras: 

Herbert Mannel - Ein stilles Spiel (Gedicht des Tages)

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

Dein Jammern überall,
doch das Rauschen des Meeres
hörst du nicht
in diesem Überlebensspiel
mit gefühllosen Akteuren.
Der Käfig unseres Lebens.

Taxonomy upgrade extras: 

Marianne Pumb - Nach dem Schnee (Gedicht des Tages)

 

Nach dem Schnee

Wenn also das eine
nicht ohne das andere zu haben ist
Leben nicht ohne Sterben
und Liebe nicht ohne Schmerz

wäre für mich
eigentlich wieder die Liebe dran
denn der Schmerz währte schon lange
unendlich lang

Doch die Liebe scheint wirrich
und findet mich nicht
seit Jahren irrt sie vermutlich umher
kehrt immer bei Freunden und Fremden ein
nur zu mir kommt sie nicht
kommt sie nicht mehr

Taxonomy upgrade extras: 

Rainer Weingärtner: Marode Ode zum Lob der Xenophobia (gedicht des Tages)

Rainer Weingärtner
Marode Ode zum Lob der Xenophobia

 

Marode Ode zum Lob der Xenophobia

Sie fliehen Hunger – Krankheit – Morden –
›Freiheit – das Wort unbekannt‹
hoch in den fremden – kalten Norden –
hoffend ins gelobte Land .

Sind uns nur gier’ge – schwier’ge Horden –
all ihre Not unint'ressant.
Was kümmern uns schon ihre Sorgen –
Verzweiflung – Hoffnung ungenannt.

Taxonomy upgrade extras: 

Buch: 

Dieter Wöhrle - Sparmaßnahmen (Gedicht des Tages)

 

Sparmaßnahmen

Im „Treff“ war niemand drauf erpicht,
dass Kurt kam, soff, die Welt erklärte.
Die Barfrau übte gern Verzicht,
wenn er beim Bier sie heiß begehrte.

Mit ihm war in der Tat nichts los.
Von seinen Eisenbahnmodellen
er schwärmte. Doch man gähnte bloß,
und mochte ihn das auch verprellen.

Vor Kurzem kam er in den „Treff“,
zurück vom Urlaub aus dem Süden.
Es mimten Gäste, Barfrau, Chef,
als sie ihn sahen, gleich die Müden,

Taxonomy upgrade extras: 

Stanislaw Wygodzki: Statistik (Gedicht des Tages)

 

STATISTIK

Auch dich vermerken Statistiken karg
in der Zahl der Vermißten.
– Vor mir Diagramme, Ziffern und Listen.
Ich seh’ einen Sarg.

In Millionen von Kindern, des Lebens beraubt,
auch du einbezogen.
– Und nachts mein Schatten, schwarz und verbogen
mit hängendem Haupt.

Gezählt auch du in der Summe der Qualen
durch Krieg und Brand.
– Ein fahriger Schatten, steh ich gebannt,
vereist über Zahlen.

Taxonomy upgrade extras: 

Seiten