Gedicht des Tages

Safinaz Hallioglu - Die Konferenz (Gedicht des Tages)

Hallioglu, Safinaz: Für Dich; Senin Için

 

Die Konferenz

Mein Krebs und ich
Trafen uns am Konferenztisch
Um zu verhandeln
Wir zählten beide auf
Was bereits wem gehört

Dem Krebs gehörten
Eine Lunge, Leber, Darm, der ganze Bauch
Eierstöcke, eine Brust sowıeso
Die Wirbelsäule als Ganzes
Und der Knochen viele
Dazu dein Leben
Sagte mein Krebs mir

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Ulrike Kleinert - Heute Morgen - meiner türkischen Kollegin gewidmet (Gedicht des Tages)

Heute Morgen
meiner türkischen Kollegin gewidmet

Wie du
mich begrüßt
Hände fassen
an Schultern
leises Lächeln
rechts und links
der Kuss
ein Hauch
der die Haut
nur streift
und die Luft
bewegt
lange Sekunden
nah beieinander
so eröffnen wir
diesen Tag.

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Ernst Friedrich-Berning - Sturm über dem See (Gedicht des Tages)

Sturm über dem See

Das ist der See im Sturm,
wütend zum Sprunge geduckt
die Wasser, wenn drüber zuckt
grellweiß der schlagende Blitz!

Dröhnender Donnerton,
gierige Wogen lecken
am Holzsteg hinauf, recken
schaumige Fratzen zum Land!

Böen peitschen das Schilf,
was lebt, verkroch sich im Rohr
längs, und dem lauschenden Ohr
graust es vor dem Inferno!

Da, ein Boot! - Ist es wahr? –
ein Fischer, verspätet, kehrt heim
matt nur der Arm noch sich wehrt
gegen Tod und Verderben!

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Dieter Wöhrle - nichts (Gedicht des Tages)

Download: Audio icon Nichts.mp3

Nichts

„Wann haben Sie das letzte Mal
ganz einfach wirklich nichts getan
und sich befreit von Arbeitswahn,
Gehetze, Stress und Burnoutsqual?“

So fragt ein Psychotherapeut
im Wellness-Club. Gar leise, fein
dringt seine Stimme ins Gebein,
als er die Frage wiederkäut.

Im Griff hat er sein Publikum.
Man nickt, man lächelt, applaudiert.
Nur Lea fühlt sich irritiert
und regt sich nicht, bleibt stumm.

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Herbert Mannel - Ein stilles Spiel (Gedicht des Tages)

 

 

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

Dein Jammern überall,
doch das Rauschen des Meeres
hörst du nicht
in diesem Überlebensspiel
mit gefühllosen Akteuren.
Der Käfig unseres Lebens.

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Uwe Erwin Engelmann - Aufruf (Gedicht des Tages)

 

Aufruf

 

Ach

lasst mir
doch

den Geruch
der Freiheit

und versucht
nicht jetzt

meine
erlahmenden Flügel zu brechen

wo mir jeder
Schlag wehtut

den ich
mache

und auch
nicht sicher weiß

wo ich lande

 

lasst mich
doch

noch einmal
abheben

dem Geruch
weiter folgen

den ich ein
Leben lang als

                 meine Freiheit

                             zu erreichen versucht

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