Gedicht des Tages

Marianne Pumb - Nach dem Schnee (Gedicht des Tages)

 

Nach dem Schnee

Wenn also das eine
nicht ohne das andere zu haben ist
Leben nicht ohne Sterben
und Liebe nicht ohne Schmerz

wäre für mich
eigentlich wieder die Liebe dran
denn der Schmerz währte schon lange
unendlich lang

Doch die Liebe scheint wirrich
und findet mich nicht
seit Jahren irrt sie vermutlich umher
kehrt immer bei Freunden und Fremden ein
nur zu mir kommt sie nicht
kommt sie nicht mehr

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Rainer Weingärtner: Marode Ode zum Lob der Xenophobia (gedicht des Tages)

Rainer Weingärtner
Marode Ode zum Lob der Xenophobia

 

Marode Ode zum Lob der Xenophobia

Sie fliehen Hunger – Krankheit – Morden –
›Freiheit – das Wort unbekannt‹
hoch in den fremden – kalten Norden –
hoffend ins gelobte Land .

Sind uns nur gier’ge – schwier’ge Horden –
all ihre Not unint'ressant.
Was kümmern uns schon ihre Sorgen –
Verzweiflung – Hoffnung ungenannt.

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Buch: 

Dieter Wöhrle - Sparmaßnahmen (Gedicht des Tages)

 

Sparmaßnahmen

Im „Treff“ war niemand drauf erpicht,
dass Kurt kam, soff, die Welt erklärte.
Die Barfrau übte gern Verzicht,
wenn er beim Bier sie heiß begehrte.

Mit ihm war in der Tat nichts los.
Von seinen Eisenbahnmodellen
er schwärmte. Doch man gähnte bloß,
und mochte ihn das auch verprellen.

Vor Kurzem kam er in den „Treff“,
zurück vom Urlaub aus dem Süden.
Es mimten Gäste, Barfrau, Chef,
als sie ihn sahen, gleich die Müden,

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Stanislaw Wygodzki: Statistik (Gedicht des Tages)

 

STATISTIK

Auch dich vermerken Statistiken karg
in der Zahl der Vermißten.
– Vor mir Diagramme, Ziffern und Listen.
Ich seh’ einen Sarg.

In Millionen von Kindern, des Lebens beraubt,
auch du einbezogen.
– Und nachts mein Schatten, schwarz und verbogen
mit hängendem Haupt.

Gezählt auch du in der Summe der Qualen
durch Krieg und Brand.
– Ein fahriger Schatten, steh ich gebannt,
vereist über Zahlen.

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Uwe Erwin Engelmann - Fahrt mit dem Großen Wagen

Fahrt mit dem Großen Wagen

Der Große Wagen
hängt im Sommer des Nachts
mitunter in meinem Fenster

Sonnenblumenfeldern gleich
weisen mir seine sieben Rosetten den Weg

Jede Nacht
steige ich dann in seinen Schragel ein
und reise mit ihm nach dahin
wo meine Träume wohnen

Gefahren bin ich mit ihm aber noch nicht
doch hoffe ich immer noch
dahin zu kommen
wohin meine Träume mich treiben

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Dieter Wöhrle - Mitteilungen über die Gebrauchslyrik (Gedicht des Tages)

Mitteilungen über die Gebrauchslyrik

Von vielen möchte sie verstanden werden,
nicht nur von einer ausgewählten Schar.
Ihr Autor muss sich vor dem Schreiben erden
und darf sich nicht geheimnisvoll gebärden.
Was sie zu sagen hat, das sagt sie klar.

Auf Straßenpflaster ihre Themen kleben.
Sie liest, versteht die Zeichen an der Wand
und auch den Goethe. Wie war das doch eben?
„Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
Und wo ihr´s packt, da ist´s interessant!“

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Gerhard Rombach - Überfluss (Gedicht des Tages)

 

Überfluss

 

Wenn ich im Frühling

über Felder und Wiesen blicke

die blühenden Bäume sehe und

das üppig keimende Leben,

dann denke ich dass

dieses Wunder, diese Schönheit

und dieser ungeheure Reichtum

der Natur noch einem anderen

Zweck dienen sollte als das

Raubtier Mensch zu nähren und

über alle Maßen der Vernunft

sich vermehren zu lassen

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