Gedicht des Tages

Mariam Serhan - Wenn (Jugendliche melden sich zu Wort)

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Wenn

Wenn
ich den Ozean
als Tinte
verwenden würde,
um mein Leben
auf Papier zu fassen,
frage ich mich,
ob mir das Wasser
reichen würde

Bald
wird es die Zukunft
nicht mehr geben.
Dann werden wir alle
in der Vergangenheit
leben und
diese Gegenwart
wird
unsere Zukunft

Wie
tief und breit
das Wasser des Ozeans
auch sein mag,
die Welt ist
vergänglich

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Vanja Simeonova: DEZEMBER(Gedicht des Tages)

 
Unaufhörlich fließt der weiße Schnee.
Über Webfäden, endlos gespannt
zwischen Himmel und knietiefem Morast
fließt der Schnee unaufhaltsam über die Welt.
 
          Im Dezember gefrieren die Bäche.
 
Im Dezember läuten die Glocken der Kirche.
Die Häupter der Häuser gesunken.
Getaucht in die Schwärze der Nacht,
schweigen beharrlich die Häupter.
 

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Uwe Erwin Engelmann - Aufruf (Gedicht des Tages)

Aufruf

 

Ach

lasst mir
doch

den Geruch
der Freiheit

und versucht
nicht jetzt

meine
erlahmenden Flügel zu brechen

wo mir jeder
Schlag wehtut

den ich
mache

und auch
nicht sicher weiß

wo ich lande

 

lasst mich
doch

noch einmal
abheben

dem Geruch
weiter folgen

den ich ein
Leben lang als

                 meine Freiheit

                             zu erreichen versucht

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Marianne Pumb - Nach dem Schnee (Gedicht des Tages)

Nach dem Schnee

Wenn also das eine
nicht ohne das andere zu haben ist
Leben nicht ohne Sterben
und Liebe nicht ohne Schmerz

wäre für mich
eigentlich wieder die Liebe dran
denn der Schmerz währte schon lange
unendlich lang

Doch die Liebe scheint wirrich
und findet mich nicht
seit Jahren irrt sie vermutlich umher
kehrt immer bei Freunden und Fremden ein
nur zu mir kommt sie nicht
kommt sie nicht mehr

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Artur Nickel - Zugvögel (Gedicht des Tages)

zugvögel
   
die zugvögel sind fort
sie haben den himmel verlassen
das kartenhaus
das nichts mehr hält
   
wer aber schützt die zurückgebliebenen
vor den rauen mächten des winters
und weist ihnen den weg
durch den schnee
   
die berge liegen zu tief
um helfen zu können und
gräber sind nicht zu finden
wo götter begraben sind

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Elisabeth Lichter: Im Flüchtigen (Gedicht des Tages)

Im Flüchtigen

Neben dem Mann
angeleint mit gesenktem Kopf
trottet der Hund

Befreit das Tier
im brackigen Wasser ein Bad
Spuren setzen die Pfoten
deutlich dann schwach dann nicht mehr

Die Fährte verblasst
verdunstet das Zeichen
ein Hund von dort lief er
wohin

Im Flüchtigen eine Berührung
Spuren dass sie vergehen
sie waren sie sind
auf dem Weg

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