Gedicht des Tages

Semra Basdemir - schwer und leicht (Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort)

 

SCHWER UND LEICHT

Manchmal fühle ich
Mich einsam
Weiß nicht wohin

Bin ich hier
Hier in Deutschland
Richtig

Oder will ich zurück
In meine Heimat
Ich weiß es nicht

Das Leben in Deutschland
Es ist schwer und leicht
Ich lebe hier

Ich gehe hier
In eine Schule
Werde als Ausländerin bezeichnet

Bedeutet es
Dass ich mich
Nicht integriert habe

Ich habe hier viele Rechte
Die Frauen und Männer
Sind gleich

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Dieter Wöhrle - Ballade von der Giftspritze

Ballade von der Giftspritze

Nachdem sie schlecht die Nacht geschlafen hat,
erscheint sie morgens böse, unzufrieden.
Ihr Gift macht sie und die Belegschaft satt.
Sie spritzt es aus. Das hat sie so entschieden.

Am Arbeitsplatz beginnt sie auch sogleich
zu hetzen gegen den Kollegen Krause.
Sie zetert, giftet, die ihr zuhör´n, weich.
Der so Beschimpfte ist nicht da, hat Pause

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Jenny Schon - Heiliger Abendspaziergang (Gedicht des Tages)

Heiliger Abendspaziergang

Einzig unter
Den beutelträgern des heiligabends
Keinen beutel mit geschenken
Tragend schlüpfe ich
Am bahnhof grunewald in das
Blattlose dickicht mehltaunebel
Aus moderndem Laub
Aufsteigend bis zu den ersten
Zweigen hexenhäuschen
Mit puderzucker bestreut wie in
Kindertagen die wildschweine haben
Sich ins gestrüpp geflüchtet
Der schnee taut und pfützen spitzen auf

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Mariam Serhan - Wenn (Jugendliche melden sich zu Wort)

Download: Audio icon serhan wenn.mp3

Wenn

Wenn
ich den Ozean
als Tinte
verwenden würde,
um mein Leben
auf Papier zu fassen,
frage ich mich,
ob mir das Wasser
reichen würde

Bald
wird es die Zukunft
nicht mehr geben.
Dann werden wir alle
in der Vergangenheit
leben und
diese Gegenwart
wird
unsere Zukunft

Wie
tief und breit
das Wasser des Ozeans
auch sein mag,
die Welt ist
vergänglich

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Vanja Simeonova: DEZEMBER(Gedicht des Tages)

 
Unaufhörlich fließt der weiße Schnee.
Über Webfäden, endlos gespannt
zwischen Himmel und knietiefem Morast
fließt der Schnee unaufhaltsam über die Welt.
 
          Im Dezember gefrieren die Bäche.
 
Im Dezember läuten die Glocken der Kirche.
Die Häupter der Häuser gesunken.
Getaucht in die Schwärze der Nacht,
schweigen beharrlich die Häupter.
 

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